2011: Linux überall

2011 - Linux überall
2011: Linux ist schon überall

Nicht mehr ganz taufrisch ist folgender Witz, der wieder um die Jahreswende im Netz kursierte: „Das zurückliegende Jahr war das Jahr, in dem Linux auf dem Desktop endlich seinen Durchbruch hatte. Schade ist nur, dass davon niemand etwas mitbekommen hat.“

In der Tat ist der Durchbruch von Linux auf dem Desktop (und von Kirchen-Desktops reden wir hier schon mal gar nicht) auch 2011 nicht gekommen. Dafür jedoch werkelt Linux immer mehr in Autos, Navigationsgeräten, Handys und den neu gehypten Tablet-PCs. Die gerade laufende Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigt, dass die Entwicklung von mobilen Geräten, in denen Linux z.B. in Form von Android steckt, geradezu explodiert. Im Bereich mobiles Internet und den dazu passenden Geräten wie z.B. Smartphones ist Linux inzwischen sehr gut aufgestellt: Linux Smartphones sind kurz davor, nach Marktanteilen mit Apples Trendsetter iPhone und iPad gleichzuziehen oder sogar Klassenprimus zu werden. Jedenfalls tritt Linux in diesem Bereich eben nicht als Exot auf (wie Bereich der PC-Desktop-Systeme), sondern als ebenbürtiger Konkurrent. Es gibt Prognosen, die für 2011 gerade Linux im Bereich Android ein außerordentliches Wachstum bescheinigen. Microsoft kommt in diesem Bereich gerade mal erst so in die Puschen.

MS Chef Ballmer
MS-Chef-Stratege Ballmer auf der diesjährigen CES: Microsoft versucht gerade erst an den Markt der Mobilgeräte mit Eigenentwicklungen Anschluss zu finden. (Quelle: cesweb.org)

Es geht also doch: Linux kann seine Komplexität – zumindest bereits auf Telefonen und Tablets – so gut in eine einfache, intuitiv zu bedienende Oberfläche packen, so dass auch Linux-Neulinge ohne Scheu und Probleme damit klar kommen und es gerne bedienen.

Ist doch seltsam. Da hat man die letzten Jahre im Bereich PC gebetsmühlenhaft gepredigt: Linux ist genau so gut, Linux ist ebenfalls leicht bedienbar, mit Linux kann ich auch alle anfallenden (Büro-)Aufgaben am PC erledigen, Linux ist viel sicherer… usw.usw. – und der Erfolg auf so breiter Basis, wie es jetzt Android vormacht, blieb trotz all dieser richtigen Argumente aus. Die Scheu vor Linux auf dem PC blieb.

Aber vielleicht funktioniert es ja in Zukunft andersherum? Vielleicht profitiert gerade das in die Jahre gekommene Konzept der PC-Desktop-Oberfläche vom Erfolg der Smartphones und es werden erfolgreiche Designs auf den normalen PC portiert?

Android-Linux
Auch Linux: Android-OS (Quelle: Wikipedia)

Dass das einfache Bedienkonzept der Smartphones zu Rückwirkungen auf den „normalen“ Desktop-PC führen wird, davon bin ich überzeugt. Schon die jetzt zu sehenden Tablett-PC-Konzepte machen deutlich, dass sich die Interaktion mit unseren Computern gerade grundlegend ändert. Und diese Veränderung ist erst der Anfang, wir stehen am Beginn einer neuen Ära.

Für mich bedeutet dies für die Zukunft:

  • Linux wird allgegenwärtig und damit selbstverständlich
  • Linuxgeräte sind konkurrenzfähig und trendy geworden
  • Linux wird intuitiv bedienbar

Ein Wermutstropfen ist vielleicht die Frage, ob die involvierten Firmen sich wirklich dem Anliegen Freier Software freier Software verpflichtet fühlen und z.B. den Quellcode ihrer Entwicklungen, die auf Freier Software beruhen, auch wieder zur Verfügung stellen. Vielfach scheint dies aktuell ja nicht so zu sein.

Dennoch: 2011 gibt es keine Gründe mehr, Linux nicht zu nutzen.

Ulrich Berens

Mein Name ist Ulrich Berens, ich bin einer der Gründer von LUKi. Nicht nur privat, sondern auch dienstlich benutze ich seit 1998 Linux und beweise damit, dass sich Linux in einem kirchlichen Büro problemlos einsetzen lässt. Auf Twitter bin ich privat als @infoleck unterwegs. Mein privater Blog findet sich unter: www.berens.net und mein Fotoblog unter: www.ulrich-berens.de. Berufliches findet sich unter familienseelsorge.de und neue-gespraeche.de.

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Ein Kommentar zu “2011: Linux überall

  1. Hallo Uli,
    Danke für Deinen Beitrag. Ich gebe dir Recht: Linux und Freie Software treten eine Art Siegeszug an.

    Aber gleichzeitig gibt es andere Baustellen: Ich bin nicht Administrator oder Root auf meinen Android-Telefon oder -Tablett. Ich kann oft nur Software installieren, die im vorgegebenen Shop liegt. Eine kleine Konfigurationsänderung, z.B. um einen anderen Mobilfunkzugang zu nutzen, ist nicht möglich. Genau das Problem, das Richard Stallman vor gut 25 Jahren hatte, als der Druckertreiber nur noch im Binärformat geliefert wurde…

    Die Daten liegen in der „Cloud“. Was nutzt es, wenn Facebook & Co. freie Software nutzen und ihre Software unter eine freie Lizenz stellen, wenn ich aber meine Daten bei Facebook vorhandenen Daten nicht mehr frei nutzen darf?

    Vgl. zum Beispiel das Interview mit Torsten Grote:
    http://blog.radiotux.de/2010/06/11/lt10-ingo-ebel-torsten-grote-und-frank-karlitschek-diskussion-rund-um-cloud-computing/

    Viele Grüße, Peter

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