Liedprojektion mit OpenLP

In immer mehr Kirchengemeinden wird es üblich, die bewährten Gesangsbücher durch Videobeamer plus PC zu ersetzen. Um die Lieder dann in angemessener Form darstellen zu können, kommt zu Beginn meist das Präsentationswerkzeug aus Redmond zum Einsatz. Für die Ablage sind zwei Formen weit verbreitet: Entweder es wird für jeden Titel eine eigene Datei angelegt oder es werden schlicht alle Titel in einer großen Gesamtdatei gespeichert. Unabhängig vom Vorgehen wird im Laufe der Zeit die Anzahl der Titel unübersichtlich. Im Fall der Einzeldateien kann es dann vorkommen, dass Titel doppelt erstellt werden, da man den gesuchten in der Datenmenge nicht findet oder unter einem anderen Titel sucht. Die Gesamtdatei wird nach und nach so groß und träge, dass sich auch hier der Überblick verliert. Schließlich stellt sich eine gewisse Unzufriedenheit ein und die Frage: „Kann man das nicht irgendwie besser, komfortabler machen?“ wird lauter.

Eine gute Freie Alternative: OpenLP

Die gute Nachricht: „Ja, man kann!“ Für diesen Anwendungsfall gibt es eine ganze Reihe von Spezialsoftware. Die bekannteste dürfte wohl Songbeamer sein, der nach meiner Erfahrung als Beinahe-Standard bezeichnet werden kann. All diese Software hat es gemein, dass die Lieder in einer Datenbank verwaltet werden, die mit einer Suchfunktion schnell und komfortabel durchforstet werden kann. Das sorgt für mehr Flexibilität und Übersicht.

Es gibt auch freie Software für diesen Anwendungsfall. Allerdings muss man nach diesen Perlen etwas länger suchen. Eine Anlaufstelle könnte die LUKi-Homepage oder die LUKi-Mailingliste sein, auf der man solche Dinge erfragen kann.

Ein sehr gelungenes Stück Software, das erst kürzlich in Version 2.0 erschien, wird nun in Kürze in meiner Gemeinde zum Einsatz kommen: OpenLP [1]

Toll daran ist, dass es den selben Funktionsumfang abdeckt wie die Platzhirsche und dazu noch ein paar Leckerbissen funktionaler Art mitbringt. Die Remote-Funktion sei hier als Beispiel erwähnt. Ganz im Sinn der Freiheit Freier Software ist OpenLP für eine Vielzahl von Betriebssystemen verfügbar. Daher eignet sich OpenLP gut für den Einsatz in Kirchengemeinden, in denen doch meist die verschiedensten Betriebssysteme unterwegs sind. So können alle Beteiligten diese Software im Zusammenspiel mit ihrem gewohnten System nutzen.

Programmfenster von OpenLP
Programmfenster von OpenLP (Klick für Großansicht)

Fleißarbeit lohnt sich

Eine Fleißarbeit ist dann in jedem Fall das Übertragen des Bestandes an Liedmaterial in die Datenbank der Software. In unserem Fall handelt es sich um 430 Titel. Dabei nicht den Überblick zu verlieren, ist gar nicht so einfach. Glücklich wer hierbei eine Checkliste zum Abhaken hat. Um diese möglichst schnell zu erstellen bemüht man am Besten das CLI (Command Line Interface). Dort wechselt man in den betreffenden Ordner und erstellt zunächst eine Datei in die man dann die Ausgabe umleiten kann mit:

touch [Dateiname].txt

also zum Beispiel:

touch output.txt

Anschließend lässt man sich den Inhalt des Ordners auflisten und lenkt diese Auflistung gleich in die Zieldatei um mit:

find . -type f | sort > /WoAuchImmer/output.txt

Jetzt kann die output.txt in LibreOffice Calc geöffnet und nach Bedarf weiter bearbeitet werden und die Fleißarbeit kann beginnen.

OpenLP versteht sich auf eine Vielzahl von Formaten, welche sich importieren lassen. Angefangen von Text- und Präsentationsdateien bis zu verschiedenen Formaten gleichgesinnter Software. Auch der Anschluss an die CCLI-Datenbank fehlt nicht. Insgesamt importiert OpenLP derzeit 19 verschiedene Formate.

Unterstützung und Know How im Web

Für die Unterstützung von Anwender hält die OpenLP-Homepage ein Online-Handbuch in englischer Sprache [2], einen Kanal mit Tutorials auf YouTube [3] sowie verschiedene Foren [4] bereit. Auch ein Forenbereich für deutschsprachige Nutzer ist vorhanden. Sollte ein Foreneintrag mal kein Gehör finden, kann man jederzeit einen Abstecher auf den IRC-Kanal der Entwickler machen. Dort erfährt man immer freundliche Unterstützung.

Abschließend kann man sagen: OpenLP ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Freie Software. Man darf gespannt sein, was den Entwicklern noch alles an nützlichen Features einfällt. Ideen finden sich in den Foren mehr als genug! Nach der grundlegenden Einführung in meiner Gemeinde steht der Ausbau der Remote-Funktion und deren Praxistest an. Ich werde an dieser Stelle erneut berichten.

Also, viel Spaß beim Testen! Vielleicht „liest“ man sich ja mal.

„Beaming songs“ Beitragsbild/Bildquelle: Kat Clay, flickr.com, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 2.0 Generic Lizenz.

[1] http://openlp.org/

[2] http://manual.openlp.org/

[3] http://www.youtube.com/openlpvideos

[4] http://forums.openlp.org/

 

Theodor Zoller

Hallo, mein Name ist Theodor Zoller. Ich nutze Linux seit 2006 und engagiere mich für freie Software in meiner Kirchengemeinde. Ich bin davon überzeugt, daß die Grundlage freie Software hervorragend mit unseren "christlichen Werten" zusammen passt.

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5 Kommentare auf “Liedprojektion mit OpenLP

  1. Auch wenn ich kein Linux Anwender bin habe ich bei der Suche nach einem funktionalen Präsentationsprogramm schnell die Vorteile von OpenLP erkannt. Seit wir dann in unseren 2 Kirchen Beamer fest installierten, sind die Laptops (Win7) dann gleich von anfang an mit OpenLP für die Gottesdienst Abläufe ausgestattet worden.
    Leider bin erst jetzt auf LUKi aufmerksam geworden, kann aber dem sehr guten Artikel nur zustimmen.
    Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv, vor allem begeistert mich die unkomplizierte Einbindung von Videos und anderen Medien immer wieder.

    Falls ihr noch Interesse an deutschsprachigen Tutorials habt:
    https://www.youtube.com/watch?v=jRvzPdqzrCk
    https://www.youtube.com/watch?v=05HsqLATDO8

    Danke für Eure Arbeit.

  2. Bei uns ist das leider genau so. Ich werde bestaunt, wenn ich mit meinem Linux-Netbook ankomme und alles klappt, aber den Zeitaufwand will niemand. Unser Bistum nutzt Microsoft-Produkte und wir gewöhnen uns daran, Dinge zu kaufen oder umsonst zu bekommen. Das nervt.
    Ich selber habe auch keine Lust, für mich herumzupuseln. Aber Songbeaner wäre für mich keine Option. Darumbin ich um so dankbarer für Artikel wie diesen.

  3. „Jaja, ich weiß, dass es auch OS Software dafür gibt.“ Das war die einzige Reaktion des Verantwortlichen – jetzt haben wir das teure Songbeamer gekauft und arbeiten trotzdem weiter mit Präsentationen. Wann wird endlich ein Umdenken in Kirchengemeinden stattfinden?
    Danke für den informativen Artikel.

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