Remix Mini – ein brauchbarer Android-Mini-PC?

Mini-PC sind ja derzeit schwer in Mode. Mitte des Jahres wurde ich auf die Kickstarter-Kampagne für den „Remix Mini“ aufmerksam, einen handtellergroßen Android-PC der chinesischen Firma Jide, die von drei Ex-Google-Mitarbeitern gegründet wurde.

Remix Mini im Größenverhältnis mit einer Standard-Maus
Kleiner als eine Maus: Der Remix Mini im Größenverhältnis mit einer Standard-PC-Maus

Android-PC? Das klingt zunächst einmal wie ein Widerspruch in sich. Tatsächlich möchte Jide mit dem Remix Mini aber „PC-Nutzer-Erfahrung“ in ein Android-Gerät packen: es soll desktoptauglich sein und einfache Büroarbeiten wie Surfen, Emails schreiben oder Textverarbeitung wie ein richtiger PC erledigen können.

Ob das gut geht?

Remix Mini – die Hardware

Den Remix Mini kann man in zwei Ausführungen mit unterschiedlicher Speicherausstattung erhalten. Die einfachere Version kommt mit 1 GB RAM und 8 GByte Flash-Speicher für schlappe 30 $ (ca. 27,50 €) , während das erweiterte Modell mit 2 GByte RAM und 16 GB Flash-Speicher für knapp 70 $ (ca. 64 €) zu haben ist. In beiden Ausführungen arbeitet ein ARM-Quad-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,2 GHz, der aktuell bestenfalls noch Smartphones der unteren Mittelklasse verbaut wird. Viel Leistung verspricht dies jedenfalls nicht.

Das haptisch solide und formschön designte Gehäuse des Remix Mini hat einen Ethernet-Anschluss, zwei USB-2.0-Buchsen und einen HDMI-Ausgang sowie einen Steckplatz für Micro-SD-Karten, mit der sich der Speicher noch etwas aufpimpen lässt.

Bestenfalls Standard-Kost: Verbaute Hardware im Remix Mini
Bestenfalls Standard-Kost: Systeminfo zum Remix Mini

Der Remix Mini kann nur Single-Band-WLAN nach 802.11 b/g/n und hat Bluetooth 4.0 an Board, um darüber idealerweise Maus und Tastatur zu verbinden. Auch hier also keine Ausstattungs-Highlights, sondern eher Standards.

Remix OS – die Software

Auf dem Remix Mini läuft als Betriebssystem „Remix OS“ Version 2.0, eine Android-Version, die besonders auf Desktopbetrieb und parallele Nutzung von Android-Apps hin optimiert wurde. So lässt sich das OS deutlich besser als ein normales Android mit Maus und Tastatur bedienen. Der Desktop von Remix OS startet automatisch und verfügt über einen Starter-Button und eine Art Startmenü, in dem die wenigen mitgelieferten Apps schon integriert sind. Auch eine Taskleiste und Unterstützung der rechten Maustaste (Kontext-Klick) bringt das OS mit.

Remix mini: Der Desktop nach dem 2. Start
 Sieht doch ganz hübsch aus: der Desktop des Remix Mini nach dem 2. Start

Alle Apps starten nicht im Vollbild sondern brav in Fenstern, um diese beliebig in der Größe verändern zu können. Dabei lassen sich die Fenster minimieren oder maximieren, um die Arbeit mit Apps komfortabler zu gestalten – ganz wie man dies von einem ausgewachsenen Desktop gewöhnt ist. Remix OS kann natürlich auf die komplette Android-App-Auswahl zurückgreifen, wenngleich auch manche App auf einem normalen Desktop-Bildschirm etwas aufgeblasen erscheint.

Remix – Inbetriebnahme

In der hellbraunen Remix-Box befindet sich neben dem Remix Mini – ich habe die Variante mit 2 GB Ram getestet – und dem Schnellstart-Handbuch nur noch das Netzteil und ein USB-Kabel. Wenn man für die erste Inbetriebnahme USB-Tastatur und -Maus sowie den Bildschirm anschließt, geht der kleine Remix Mini in dem nun entstandenen Kabelgewirr fast unter.

Remix Mini
Remix Mini (Foto: Jide)

Einschalten (und Herunterfahren) kann man den Remix Mini übrigens durch Berühren des „Remix“-Schriftzuges auf der Oberfläche des Gehäuses. Eine kleine LED an der Frontseite zeigt den ansonsten lautlosen Betrieb des Androiden an. Das Gehäuse erwärmt sich jedoch recht deutlich im Laufe einer Arbeitssitzung.

Sprachschwierigkeiten

Nach dem ersten Start und der erfolgreichen Verbindung mit einem WLAN oder LAN lädt der Remix erst einmal ein OS-Update herunter, bis er startklar ist. Auf meinem Gerät werkelte dann unter der Oberfläche von Remix OS eigentlich Android 5.1. Dieses präsentiert sich nach dem ersten Start komplett in English und eingestellt auf Singapore-Zeitzone. Das Umstellen der Sprache in den „Settings“ beeindruckt den Remix Mini jedoch nicht so sehr – der Desktop ist danach immer noch in Englisch mit deutschen Einsprengseln. Auch sollte man anfangs eine Ahnung haben, wo auf der deutschen Tastatur sich die englischen Zeichen etwa für das „@“ befinden – das Zeichen benötigt man zwingend bei der Eingabe der eigenen Emailadresse. Klar, man auch die Tastatur auf Deutsch umstellen, aber dazu muss man tief in den Untermenus graben – nichts also für Leute, die nur wenig Englisch sprechen oder verstehen.

Der von der Einrichtung eines Android-Gerätes bekannte Einrichtungsassistent begrüßt den Nutzer eines Remix Mini übrigens nicht. Hier hat Jide einen eigenen Dialog konzipiert, der jedoch noch keine Länder- und Sprachpräferenzen setzt. Da ist also noch Raum für Verbesserungen.

Ungereimtheiten und Gelungenes

An Google-Software ist übrigens bereits der Google-Play-Store und der Chrome-Browser installiert – sonst nichts. Das finde ich – bei aller Vorfestlegung auf Google – doch angenehm zurückhaltend. Nachinstallierte Apps landen als Verknüpfung sowohl auf dem Desktop und im Startmenu. Seltsamerweise ließen sich die App-Verknüpfungen auf dem Desktop auf meinem Gerät zunächst nicht löschen. Erst nachdem ich auf dem Desktop einen Ordner erstellt habe, ließen sich die Apps dort hineinschieben und dann dort wiederum auch löschen. Nach einem weiteren Reboot gelang mir dies schließlich auch auf dem Desktop. Keine Ahnung, warum dies vorher nicht funktionieren wollte.

Softwareinstallation via Play-Store
Alles so schön groß hier: Softwareinstallation via Play-Store

Die von Android bekannte Benachrichtigungsleiste, die meist oben platziert ist, wanderte bei Remix OS nun an den rechten Desktoprand. Ein ganz rechts in der Taskleiste gesetzter Button bringt die Mitteilungszentrale zum Vorschein, sie gleitet von Rechts in den Desktop hinein. Das ist also ganz hübsch gelöst.

Die Performance des Systems ist für normale Bürotätigkeiten in Ordnung, obwohl auch manchmal Gedenksekunden an Wartezeit einzuplanen sind. Videos werden ruckelfrei abgespielt. Multitasking geht, ist aber eher schwach: nach dem dritten oder vierten offenen Fenster geht der Mini spürbar in die Knie.

Fazit: Remix Mini – für wen?

Am Ende bleibt die Frage, für welches Benutzer-Szenario ein solches Gerät wie der Remix Mini eigentlich konzipiert wurde. Für einen Desktop-Nutzer gibt es trotz des günstigen Preises sicher bessere und bezahlbare Alternativen, die mehr Performance mitbringen. Remix MiniDas Remix OS erinnert mich irgendwie optisch sehr an Chrome OS, wobei letzteres gefühlt deutlich performanter arbeitet und auf speziell dafür gebauten Geräten, den Chromebooks, irgendwie geschmeidiger läuft. Als reines Mediencenter für das heimische Wohnzimmer kann der Remix Mini aber auch nicht gedacht sein, denn dazu bräuchte er die Desktop-Oberfläche nicht. Und auch zu diesem Zweck gibt es ja speziell angepasste Android-Geräte.

Derzeit ist der Remix Mini nur eine interessante „technische Studie“. Mit stärkerer Hardware könnte man damit sicher auch richtig arbeiten. Zu empfehlen ist er jetzt nur Leuten, die etwa an ihrem Fernseher auch eine kleine Surfstation betreiben wollen. Aber auch in diesem Sektor ist die Konkurrenz groß. So bleiben als Pluspunkte der geringe Preis, der niedrige Energiebedarf und die Lautlosigkeit übrig.

It’s just a gadget.

 

Ulrich Berens

Mein Name ist Ulrich Berens, ich bin einer der Gründer von LUKi. Nicht nur privat, sondern auch dienstlich benutze ich seit 1998 Linux und beweise damit, dass sich Linux in einem kirchlichen Büro problemlos einsetzen lässt. Auf Twitter bin ich privat als @infoleck unterwegs, auf Mastodon ebenfalls (@mastodon.social). Mein privater Blog findet sich unter: www.berens.net und mein Fotoblog unter: www.ulrich-berens.de. Berufliches findet sich unter familienseelsorge.de und neue-gespraeche.de.

More Posts - Website

Follow Me:
TwitterFlickr

3 Kommentare zu “Remix Mini – ein brauchbarer Android-Mini-PC?

  1. Interessant ist, dass Jide, die Firma hinter Remix OS, angekündigt hat, Remix OS als x86-Version ab dem 12. Januar 2016 zum freien Download zur Verfügung zu stellen. [1]

    Damit könnte man Remix auf älteren PC installieren – bei gleichzeitigem Zugriff auf die ganze App-Vielfalt von Android.

    [1] http://www.jide.com/en/remixos-for-pc

  2. Hallo gibt es eine Moeglichkeit den Remix Mini dauerhaft auf deutsche Tastatur umzustellen, habe schon alle moeglichen Einstellungen versucht, dennoch ist immer noch englische Tastaur eingestellt? Danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.