Aus dem Leben einer nicht untalentierten aber überforderten Endbenutzerin

Man kann ja über Snowden denken, was man will, aber mutig ist der schon. Von Kindesbeinen an hat mich diese Technik interessiert und heute stehe ich in einer rasant entwickelten Welt, die sich weiter entwickelt und meine Haltung zu ihr fordert. Snowden finde ich bewundernswert. Aber welche Netzwerke kann ich nutzen?

Nehmen wir mal ein einfacheres Beispiel:

  • Ich fahre Auto, ohne es selber reparieren zu können.
  • Viele Verkehrstote führen nicht dazu, dass der Autoverkehr gesteuert wird.
  • Ich kann selber wählen, welches Auto ich fahren möchte.

Anders gesagt:

  • Ich nutze einen Computer, ein Laptop, ein Netbook, ein Smartphone. Mit all diesen Geräten komme ich ins Internet. Wenn was kaputt ist, kann ich schrauben oder updaten, aber programmieren kann ich nicht.
  • Es werden Daten getrackt, es werden neue Formen der Kommunikation erarbeitet und ausprobiert, es gibt eine Fülle von Programmen und Plattformen. Prinzipiell kann ich alles nutzen, nichts wird mir grundsätzlich verwehrt. Aber ich kann nicht programmieren.
  • Alle internetfähigen Endgeräte sind grundsätzlich für jeden Menschen nutzbar. Es gibt erstaunlich viele Initiativen, die alte Geräte aufarbeiten oder für eine Finanzierung neuer Geräte sorgen.
Bild von: Kat

Ich kann nicht programmieren.

Das macht mich zu einem Endbenutzer aller Geräte. Ich kann nicht mitwirken an der Erstellung und Pflege dezentraler Netzwerke und barrierefreier Zugänge.

Mir begegnen im Bereich der Hacker viele Menschen mit Eigenschaften, die uns Christen gut zu Gesichte stünden.

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel:

Die Freifunker bieten Netbooks für die Flüchtlingshilfe an. Sie haben diese Netbooks organisert und geflasht. Ein Artikel in der Zeitung weist darauf hin. Jeder Mensch kann solch ein Netbook beantragen. Er muss nur den Nutzen begründen und später auch belegen. Außerdem funktionieren diese Dinger nur im Freifunknetz. Nun. Anträge stellen können wir. Aber was machen wir nun mit dem Freifunknetz? Wir haben ja keine Ahnung. Ist das nicht im Prinzip offenes WLan?

Gute Dinge – viele Fragen

Die nicht untalentierte Gemeindereferentin ist an der Stelle überfordert. Sie bräuchte nun Ansprechpartner, die Entscheidungen treffen können. Sie braucht nicht mal eine entsprechende Ausbildung in Sachen Internet und Programmierung. Aber sie sollte wissen, worum es geht. Es müsste möglich sein, sich zu informieren.

Vor Ort gibt es zur Zeit vielerlei Gespräche zwischen verschiedenen Gemeindemitgliedern, die aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten kommen, aber alle die Flüchtlingshilfe im Sinn haben. Menschen, die bis gerade nicht mal im Traum daran gedacht haben, WLan bei sich Zuhause einzurichten, denken jetzt an einen Freifunkrouter und beraten in ihren Familien, ob sie das machen sollen.
Das dauert.
Aber es tut sich was.

Derweil könnte man mal überlegen, ob das Programmieren nicht auch Teil der Ausbildung pastoraler Kräfte sein soll.

Beitragsbild: Stephen Woods, flickr.com, Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 2.0 Generic Lizenz.

Thorn

Gemeindereferentin im Bistum Essen. Mit folgenden Themen lass ich mich ködern: Finnland, Jazz, Krimis, Kunst, Musik, Science Fiction. Beruflich im Büro für Inklusion und Teilhabe. Privat zu lesen auf 793 km Rhein

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