Pixelfed: Fotos im Fediverse

Irish Landscape
Eines meiner Fotos auf flickr: Irische Landschaft am Ring of Kerry, entstanden 2017

Im Moment „produziere“ ich so übers Jahr ca. 10.000 Fotos  Manchmal auch deutlich mehr – mein Hobby eben. Einen kleinen Teil meiner Fotos habe ich bislang über Yahoos Foto-Community Flickr unter einer CC-Lizenz geteilt und – vor allem – anderen Fotografen zur Diskussion gestellt. Durch das Feedback der Nutzer dort habe ich viel gelernt, und meine Art zu fotografieren ist dadurch vermutlich besser geworden.

Als überzeugter Nutzer Freier Software war ich jedoch mit Flickr nie wirklich glücklich. Wie bei vermutlich allen Diensten dieser Art zahle ich dort mit meinen persönlichen Daten und ich wurde ins Yahoo-Universum gezwängt. Daran änderte auch nichts mein Pro-Account, den ich 2jährig bezahlte und dafür dann mehr Speicherplatz erhielt und vor allem keine Werbung serviert bekam.

Im Frühjahr diesen Jahres verkaufte Yahoo Flickr an SmugMug, und diese Firma will Flickr jetzt einerseits beschneiden, andererseits verteuern. Auch darum bin ich jetzt – und viele andere mit mir – dort ausgestiegen. Aber wohin nun mit meinen Fotos?

Klar, ich veröffentliche schon länger meine Fotos auf meiner eigenen Homepage – dort aber ist das Feedback gleich null. Andere Foto-Gemeinschaften sind entweder ebenfalls werbefinanziert oder nur gegen Cash zu haben.

PixelFed – eine föderierende Foto-Community

Ein spannender, vielversprechender Ansatz und mein Fotografen-Zuhause für die Zukunft könnte das derzeit in Entwicklung befindliche PixelFed werden.

Pixelfed UI
PixelFed UI

PixelFed wird federführend von einem kanadischen Entwickler vorangetrieben und ist eine Verbundplattform für Bilder, dabei von den Funktionen ähnlich wie Instagram. Bilder können hochgeladen, kommentiert, geliket und geteilt werden – nur eben nicht über eine zentrale Instanz auf Servern irgendeines Unternehmens, sondern über eine unabhängige, verteilte und föderierende Foto-Community in Form von verbundenen Pixelfed-Instanzen. Die Föderation erfolgt mithilfe des ActivityPub-Protokolls, das ebenso von Mastodon, PeerTube, Pleroma und anderen verwendet wird. Über ActivityPub kann PixelFed diese Plattformen sowie andere Instanzen von PixelFed gemeinsam nutzen und mit ihnen interagieren.

Pixelfed: federated Instangram
Pixelfed: Federated Instagram?

Der Vorteil liegt auf der Hand: ich kann meine Fotos in einer eigenen Instanz (oder in einer meines Vertrauens) selbst hosten und sie dennoch einem breiten Fotografen-Publikum präsentieren. PixelFed bringt umfangreiche Moderationstools für Admins mit, etwa Filter und Blockierfunktionen, bietet Hashtags und Messagingunterstützung (via Mastodon) und Import- Exportfunktionen.

PixelFed ist natürlich Freie Software und momentan noch in der Entwicklungsphase, also Alpha-Software, d.h. derzeit noch nicht für den produktiven Einsatz geeignet. Auch mehrere Killerfeatures – der föderative Verbund mit anderen Instanzen, das Teilen und Einbetten von Fotos – scheinen noch nicht vollumfänglich zu funktionieren. Immerhin sind schon eine Reihe von funktionierende Filtern implementiert, die User nutzen kann, um fade Fotos aufzupeppen oder Fotos eine andere Anmutung zu verpassen. Aber der Mastodon-Kanal von PixelFed vermeldet nahezu täglich weitere Fortschritte und es gibt auch schon eine Reihe von Webseiten, die es erlauben, PixelFed live zu testen, etwa pixelfed.de. Natürlich kann man PixelFed auch in einer eigenen Instanz installieren und ausprobieren.

Spannende Sache wie ich finde.

PixelFed lässt erahnen, wieviel Entwicklungs-Potential im Fediverse-Ansatz steckt, der sich nicht nur auf klassisches Microblogging beschränken muss. Ich bin gespannt.

Ulrich Berens

Mein Name ist Ulrich Berens, ich bin einer der Gründer von LUKi. Nicht nur privat, sondern auch dienstlich benutze ich seit 1998 Linux und beweise damit, dass sich Linux in einem kirchlichen Büro problemlos einsetzen lässt. Auf Twitter bin ich privat als @infoleck unterwegs, auf Mastodon ebenfalls (@mastodon.social). Mein privater Blog findet sich unter: www.berens.net und mein Fotoblog unter: www.ulrich-berens.de. Berufliches findet sich unter familienseelsorge.de und neue-gespraeche.de.

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6 Kommentare zu “Pixelfed: Fotos im Fediverse

  1. Meine Hoffnung ist ja, dass bereits in dieser frühen Phase viele gute Fotografen und Fotografinnen bei Pixelfeld einsteigen und das Ding voran bringen.

    Dir, Uli, vielen Dank für den informativen Beitrag.

    (was man mit diesem Pixelfeld alles machen könnte … OER zum Beispiel …)

  2. Autsch!
    Als jemand,der schon lange im Fediverse unterwegs ist (Pleroma um genau zu sein) weiss ich da natuerlich ein bisschen mehr.
    Ich hab das Projekt am Anfang auch sehr begeistert verfolgt,bin dann aber immer mehr zu dem Entschluss gekommen,dass diese Begeisterung nicht wirklich berechtigt war.
    Da gab es dann diese Ankuendigungen fuer Insights (Tracking),Pro Pakete mit Speicherlimits und zu guter letzt wollte man auch noch Loeschalgorithmen einbauen.
    Vollstaendiger Federation Support wurde auch vielfach angekuendigt (zuerst fuer den Juli) und dann immer weiter verschoben,weil dem Entwickler jede unwichtige Kleinigkeit wichtiger war.
    Was fuer deinen Zweck wahrscheinlich sowieso viel besser geeignet ist und Flickr mehr aehnelt,ist Anfora.
    Das unterstuetzt ebenfalls ActivityPub,kommuniziert also Mastodon und aehnlichem,aber hat nicht so viele fragwuerdige Ankuendigungen gemacht.
    Federation ist da auch noch nicht komplett,aber da es dafuer auch noch nicht tausende leere Versprechen gab glaube ich bei diesem Projekt mehr,dass Federation tatsaechlich kommt,wenn es dafuer bereit ist.

  3. Hallo Niklas,

    Danke für Deine klarstellenden Informationen, die für mich tatsächlich neu sind. Ich bin in Diskussionen auf flickr auf das Projekt gestoßen, von den Details, die Du benennst, war da allerdings nicht die Rede.
    Von daher schließe ich mich Deinem „Autsch“ gerne an.

    Was bleibt ist immerhin die für mich nach wie vor bestechende Idee, Fotos und Kommentare dazu föderativ und dezentral im Fediverse zu diskutieren. Um so besser wenn es da eine wachsende Anzahl von Projekten gibt!

  4. Hallo Ulrich Berens,
    Pixelfed ist interessant aber das was Niklas sagt lässt aufhorchen.

    Mal noch was anderes:
    Fotos föderativ teilen kann man eigentlich auch sehr gut mit Hubzilla. (Über Hubzilla gib es hier im Blog ja auch schon einen Beitrag).

    Die Funktionen sind alle da, was die Bedienung angeht ist alles ein wenig komplexer, aber ein Fotokanal kann man ohne weiteres betreiben – keine Beta Software mehr.
    man könnte auch ein eigens Theme für den Fotokanal auswählen… ein gute nur für Fotos gibt es noch nicht – eine schöne Aufgabe für einen Entwickler- anstatt an Pixelfed herumbasteln. 😉

    Hubzilla hat auch den Reizt dass über einen Account man mehrere Kanäle haben kann bzw. das man dann über einen anderen Kanal alles was nicht mit Fotos zu tun hat im Fediverse steuert.

    würde mich interessieren ob das für dich eine Lösung ist.

    lg aus der
    Nachbarschaft

  5. Hi,

    eine Präferenz habe ich im Moment nicht, was eine konkrete Softwarelösung angeht. Das darf auch gerne Hubzilla sein. Allerdings macht Fotos teilen, besprechen und bewerten nur da Sinn, wo sich Fotografen auch herumtreiben. Das wird vermutlich nicht Hubzilla sein, kann aber auch egal sein – dann, wenn die unterschiedlichen Hubs miteinander kommunizieren können.
    Ich finde dieses Miteinander eigentlich das Faszinierende an der Entfaltung des Fediverse momentan.

    Es grüßt aus dem Wartebereich des Münchner Flughafens,
    Uli

  6. Hi Uli,
    ja genau, alle Plattformen fangen an sich miteinander zu unterhalten…

    Hubzilla ist auf keinen Fall momentan ein spezielles Fototool, aber genau das könnte auch interessant sein.

    Wenn man ein spezielles Fototheme für Hubzilla hätte könnte es sehr schnell auch zu einem Treffpunkt für Fotografen werden…

    Schau dir das mal an… Und dann könnte man mal überlegen ob man diverse Entwickler nicht montivieren will da was für eine Fotocommuniti auf die Beine zu stellen.
    gruß

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