Vorstellung von OpenPetra beim LUKi Treffen 2019

Das Logo von OpenPetra

In den vergangenen Monaten wurde ich von Peter Hormanns, den ich von Hostsharing kenne, auf den LUKi Verein aufmerksam gemacht. Das ganze kam dadurch, dass ich auf Mastodon über OpenPetra (https://www.openpetra.org) getrötet habe. So lud mich Peter ein, am Vereinswochenende in Fulda doch die Verwaltungssoftware OpenPetra vorzustellen. Ich bin zwar selber aktiver Besucher einer örtlichen freikirchlichen Gemeinde, hatte bisher als Zielgruppe für OpenPetra eher Vereine und christliche Werke auf dem Schirm.

OpenPetra ist ein Verwaltungsprogramm für christliche Werke und Vereine, und könnte eben auch für die Verwaltung von Kirchgemeinden oder des LUKi Vereins eingesetzt werden. Es umfasst die Kontakt- und Mitgliederverwaltung, Buchhaltung, Spendenbuchhaltung, man kann damit Spendenbescheinigungen erstellen, und manches mehr…

Ich fühlte mich direkt zu Hause unter den „LUKis“. In der Vorstellungsrunde am ersten Abend lernten wir uns etwas kennen, und konnten uns in den folgenden Tagen noch näher austauschen. Am Samstag vormittag durfte ich OpenPetra vorstellen. Es war gut, dass viele Rückfragen kamen und sehr wertvolle Anregungen. Ich habe die Geschichte von OpenPetra dargestellt, wie es mit einem proprietären Produkt bei dem Missionswerk OM begann, und dann als Open Source unter der GPL veröffentlicht wurde, wie schwierig es ist, eine Community aufzubauen, und dass es im Moment noch keine Community gibt. Aus diesem Grund hat sich OM vor einigen Jahren aus der Entwicklung des öffentlichen OpenPetras zurückgezogen, und entwickelt nun wieder im geschlossenen System, da das für sie einfacher ist.

Timotheus präsentiert OpenPetra: Er sitzt an einem geschlossenen Laptop, hält Zettel in der Hand und spricht. Im Vordergrund ein Ausschnitt aus der Front eines Beamers.
Timotheus präsentiert OpenPetra

Aber in den vergangenen Monaten ist beim Open Source OpenPetra viel passiert: Es läuft nun im Webbrowser, und ist daher nicht mehr von Windows abhängig. Der Server läuft schon immer mit Mono unter Linux. Außerdem gibt es ein gehostetes Angebot auf https://www.openpetra.com, wo man eine zeitlich unbegrenzte, kostenlose Testversion von OpenPetra für den eigenen Verein oder die eigene Gemeinde anlegen und nutzen kann. 

Während des Vortrages konnten die Anwesenden direkt selber auf https://demo.openpetra.org ausprobieren, welche Möglichkeiten OpenPetra bietet, und wie es sich anfühlt. Es kamen positive Rückmeldungen, die mich sehr ermutigt haben, z.B. dass OpenPetra flott läuft, und leicht zu bedienen ist. Jemand verglich es mit CiviCRM, wo man erst viele Dinge einrichten und lernen muss, aber bei OpenPetra kann man direkt Kontakte anlegen und bearbeiten, weil die Benutzeroberfläche intuitiv ist.

Ein Kriterium waren auch Kategorien, damit man Leute in der Gemeinde in verschiedene Gruppen einteilen kann (z.B. Kindermitarbeiter, Technik, Band). Es ist ohne Weiteres in OpenPetra möglich, eigene Kategorien anzulegen, sie den Kontakten zuzuordnen und auch einen Bericht über die Gruppenmitglieder anzufertigen.

Zeigt wie man in OpenPetra Kategorien verwalten kann
Kategorien in OpenPetra verwalten

Für die Mitgliedsbeiträge würde der CSV Import der Kontoauszüge in OpenPetra ausreichen, da die Mitglieder des LUKi Vereins die Beiträge über Dauerauftrag bezahlen. Ansonsten gibt es in den Tiefen von OpenPetra schon ein Modul für SEPA Lastschriften, es müsste nur noch im JavaScript Client aktiviert werden.

Zeigt, wie man in OpenPetra Kontoauszüge importieren kann
Kontoauszüge als CSV Datei importieren

Ein Kriterium ist auch, dass die Mitglieder ihre Adressen selber im System bearbeiten können. Das gab es bisher noch nicht in OpenPetra, aber in der Vorbereitung für die Präsentation war es mir möglich, innerhalb von 7 Arbeitsstunden einen funktionsfähigen Prototypen zu bauen, den ich während der Präsentation sogar praktisch vorführen konnte. Er ist auch auf demo.openpetra.org zu testen. 

Technische Details und Anregungen

Es gab die Idee, die Benutzerauthentifizierung auch über LDAP laufen zu lassen, um die Mitgliederaccounts zentral zu verwalten und auch Single-Sign-On nutzen zu können. Passwort-Authentifizierung und Benutzerverwaltung wäre in LDAP, OpenPetra würde die Benutzer- und Rechteverwaltung bieten und die Daten entsprechend in LDAP speichern.

Ein Vorschlag kam, dass die Funktionen, die dem aktuellen Benutzer nicht zur Verfügung stehen, weil er keine Rechte dafür hat, nicht ausgegraut, sondern komplett ausgeblendet werden.

Ein anderer Hinweis war, dass der C# Code nicht direkt zu verstehen ist, und das Projekt doch sehr komplex ist. Das spornt mich an, weiter den Code aufzuräumen, und auch an der Dokumentation für Entwickler zu arbeiten.

Eine Integration mit Nextcloud wurde ebenfalls angeregt, um Dokumente in Nextcloud verwalten zu können. Das wäre auch für den Nazareth Kinderheim Kenia e.V. interessant, der im Moment der einzige Benutzer des Open Source OpenPetra ist. Dort benutzen wir SeedDMS (https://www.seeddms.org), aber es ist auch noch nicht mit OpenPetra integriert.

Die Diskussion ging auch in Richtung von Funktionen, die spezifisch für Kirchgemeinden sind: eine Kalenderanwendung, um Räume zu verwalten, mit Sonderbedingungen, dass z.B. ein Sportgruppe nicht direkt im Nachbarraum von der Lobpreisband trainieren kann… Dann kam noch der Geistesblitz, dass man die Hausautomation auch integrieren könnte, um den Raum entsprechend der Gruppe vorzuheizen…

Der Gedanke der Nachhaltigkeit kam uns noch: Es muss eine langfristige Lösung sein, die auf einer stabilen Community basiert und auch die Entwickler müssen entsprechend vergütet werden, denn man kann nicht alles in der Freizeit machen. 

Weitere Lösungen in diesem Bereich und Ausblick

Wir recherchierten dann noch im Internet, was es sonst an entsprechenden Tools gibt. Dabei stießen wir auf eine Liste von Open Source Church Management Systemen: https://gist.github.com/seven1m/aa2b43208293c01ce3698a89260712b7 

Wir untersuchen im Moment auch bvcms, um zu sehen, ob dieses System im deutschsprachigen Raum passen würde. Die Diskussion geht weiter, im LibreChurch Raum auf dem LUKi Matrix Server…

Im Anschluss an das Wochenende habe ich dann die Mitgliedserklärung ausgefüllt, und so freue ich mich, nun auch zur Schar der LUKis zu gehören! Ich bin gespannt, was wir zusammen schaffen dürfen…

tpokorra

Timotheus Pokorra lebt in Plauen im Vogtland, und entwickelt gerne Software, am liebsten Open Source. Die Verwaltung von Missionen, Werken und Gemeinden liegt ihm auf dem Herzen.

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Ein Kommentar zu “Vorstellung von OpenPetra beim LUKi Treffen 2019

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Da hast du ja wirklich nichts ausgelassen. Momentan ist OpenPetra noch zu fremd für mich (aber welches Verwaltungssystem wäre das nicht; wenn wirklich alles unter einer Haube sein soll – von umfangreicher, anwendungsstarker Mitgliederverwaltung bis zu finanzamtkompatibler Buchführung – muss der Einstieg notgedrungen mühsam sein). Aber mit OpenPetra hätten wir endlich was, was sich ohne Verluste an Daten und Geld, ausprobieren und anwenden lässt. Und man sieht hier besonders schön, wie freie Software funktioniert.

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