Kommentar zur KonApp

Die KonApp ist ein Begleiter für den Konfirmandenunterricht. Sie wurde entwickelt im Auftrag der EKD von der Deutschen Bibelgesellschaft – in Zusammenarbeit mit einem Projektteam, das von der Gruppe hinter https://konfi-arbeit.de/ koordiniert wird. 

Die App kann On- sowie Offline verwendet werden. Für den Onlinezugang muss man derzeit noch ein Konto bei der Deutschen Bibelgesellschaft via Email (konapp@dbg.de) beantragen und kann dann auf konapp.de seine Gruppe verwalten. KonfirmandInnen anlegen, Beiträge editieren und auf einem etwas umständlichen Weg auch hochgeladene Medien herunterladen, um diese z.B. über einen Beamer in der Gruppe zu besprechen. Offline steht den KonfirmandenInnen die BasisBibel sowie die Lutherübersetzung 2017 und diverse protestantische Grundtexte zu Verfügung. Wer denn mag, darf auch ein eigenes Tagebuch führen und Tags mit Bibeltexten anlegen. 

Enttäuschend finde ich hingegen die Möglichkeiten zur Gruppenorganisation. Denn deren einziger, allerdings extrem gewichtiger Vorteil, liegt im Datenschutz. Was für mich auch momentan der einzige Grund wäre, die App einmal mit KonfirmandInnen zu testen. 

Beiträge können „Nur für mich“ oder „Öffentlich“ gepostet werden. Ein Chat ist es nicht und Verfechter der KISS-UNIX Philosophie rufen ganz laut: Lieber eine Sache machen, dafür richtig!

Die Gruppenorganisation beschränkt sich auf die Möglichkeit, Tagebucheinträge mit der Gruppe zu teilen und diesen Einträgen Bildern und Bibeltexte anzuhängen. Wer für seine Konfirmandenarbeit einen Ersatz für WhatsApp sucht, wird von der KonApp wahrscheinlich enttäuscht werden. Weder versprüht die Benutzeroberfläche den Charm eines Messengers noch kommt Sie funktional an etwas heran, was für einen Austausch oder Dialog geeignet wäre. Es macht schlichtweg keinen Spaß, noch hat es in meinen Augen einen Mehrwert zu den wahrscheinlich etablierten Lösungen; auch die erweiterten Möglichkeiten als Gruppenleiter eine Umfrage erstellen zu können, helfen hier leider wenig.

Denn bei aller Liebe zu den Wohltaten der Digitalisierung: Meine Erfahrung mit KonfirmandInnen zeigen, dass ich zur Meinungsfindung besser Methoden wie das Vier-Ecken-Spiel, Stimmungsbarometer, Impulskarten oder auch Fishbowl einsetze, als ein Multiple-Choice-Gefummel in einer App.  Auch sonst durchzieht sich bei mir der Eindruck, dass die App eine methodisch gute Konfirmandenarbeit eher behindert als fördert. Zu sehr liegt mir der Fokus auf persönliche Reflexion und Textarbeit und zu wenig auf Gruppeninteraktionen.

Im großen und ganzen schmeckt die App doch sehr nach staubigen KonfirmandenUnterricht (Bibeltext lesen, Verständnisfragen, Reflexion, Niederschrift, Katechismusmeditation) statt KonfirmandenArbeit. Denn im Kern ist die App eigentlich nichts weiter, als eine App zum Bibellesen. Anmerken muss man hier, dass die Bibelgesellschaft plant, sich stetig Lizenszahlungen über die App einzuheimsen (https://www.rpi-ekkw-ekhn.de/fileadmin/templates/rpi/normal/material/arbeitsb , S.24).

Ein großer Schmerzpunkt ist für mich auch die fehlende Offenheit der App. Warum wurde sie nicht als Open Source entwickelt? Warum wurde die App nicht auch auf F-Droid verfügbar gemacht? Warum wird Feedback über eine Facebook-Gruppe gesteuert? Warum gibt man viel Geld für die Entwicklung einer weiteren BibelleseApp aus und nimmt dann nur KonfirmandenInnen in den Blick, wenn die App doch augenscheinlich eher für die Ansprüche von Hauskreisen konzipiert wurde?

Warum nicht mal über den eigenen Kirchtum blicken?
Foto von Farago Tudor Andrei auf Unsplash

Im Zuge der zahlreichen Reformen und Reformbemühungen aller Kirchen treibt eine Forderung als Leitprinzip und Forderung immer wieder ganz nach oben: Endlich das Kirchturmdenken hinter sich zu lassen und Kooperationsräume zu bilden. Nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander zu agieren. Aus meiner Sicht ist die KonApp daher vor allem ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Statt die Chance zu nutzen, hier auch mit anderen Kirchen und Verbänden eine Lösung für ein gemeinsames Problem zu entdecken – wie kommuniziert und arbeitet man mit Jugendgruppen – wurde viel Geld für etwas investiert, dass höchstwahrscheinlich in ein paar Jahren mehr oder weniger ungenutzt in der Versenkung verschwinden wird. Ein Open Source Projekt hätte zumindest die Chance gehabt, bei der Bibelgesellschaft oder als Fork weiter zu reifen. So wird die App letztlich wieder WhatsApp als Patina ansetzen und davon verdrängt werden: Aus der Sicht der KonfirmandInnen wird die App WhatsApp technisch nicht ersetzen können und daher im täglichen Gebrauch von anderen Messengern schleichend verdrängt werden.

Zum Schluss bleibt daher nur noch die die Frage, ob wir für die digitale Konfirmandenarbeit wirklich zuerst eine weitere BibelleseApp gebraucht haben. Aber vielleicht findet die App aber auch gerade darin ihre Nische und kann im Zusammenspiel mit anderen Angeboten und Ideen (ich verweise hier mal auf den Blog von Thomas Ebinger (https://thomas-ebinger.de/) und Nele Hirsch (https://ebildungslabor.de/) als Ausgangspunkt für digitale Projekte in der Konfirmandenarbeit verwendet werden. Zumindest dann, wenn das öffentliche Tagebuch Hyperlinks oder zumindest das Kopieren von Texten unterstützen würde. Bis dahin werde ich wahrscheinlich einfach weiter einen QR-Code an die Wand kleben.

Weiteres zu KonApp auf:
https://thomas-ebinger.de/2019/10/die-konapp-ekd-app-fuer-konfis-in-der-praxis/

Philipp Ruess

Glückliches Mischwesen aus Bayern und Hesse sowie Pfarrer für Arbeit mit SchülerInnen in der EKKW

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3 Kommentare zu “Kommentar zur KonApp

  1. Hallo Herr Ruess,
    spannender Beitrag. Schade das hier wieder ein Chance vertan wurde. Auch ich glaube das Open Source der richtige Weg gewesen wäre. Meine Tochter kommt bald ins Konfirmantenalter und da die Jugendlichen von heute doch sehr Handy-affin sind, wäre eine gute App schon sehr hilfreich. Glücklicherweise nutzen wir Signal. Meine Frau ist jetzt Anwärterin auf das Prädikantenamt und will die Jugendarbeit in unserer Gemeinde fördern. Als IT-Experte suche ich immer Anregungen wie man die digitalen Angebote in der Kirche verbessern kann ohne den Überwachungskapitalismus zu füttern.
    Viele Grüße
    Horst Meyer

  2. Hallo Herr Ruess,
    „Linux for Future“, danke für die weiterführenden Infos und Ihren Kommentar zur KonApp. Es ist – leider Gottes – genau dies: den Entscheidungsträgern für solche Software-Entwicklungen fehlen vermutlich die Informationen, die Kenntnis und die Vorteile im großen und wachsenden Feld freier Software. Und mit jeder Anbindung z.B. an facebook wird, wieder vermutlich unbewusst, dieser großer Konzern gesponsert.
    Wie wäre folgender Gedanke: Schreiben Sie bitte Ihren Kommentar als Brief an die entsprechende Abteilung der Bibelgesellschaft …. Ich unterschreibe den Brief gern mit!

  3. Hallo Herr Kühn,

    ich hatte mittlerweile mit ein paar mitelbar beteiligten gesprochen. Das Ziel der App ist und bleibt nicht mein Ziel. Und das die Vorteile von FLOSS bei Kirchenleitung und Entscheidungsträgern nicht unbedingt bekannt sind, damit kann LUKi e.V. ein Gesangbuch füllen :/ Wir bleiben aber dran!

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