Offene Formate

Ein offenes Format ist eine veröffentlichte Vorgabe zum Speichern digitaler Daten, die ohne rechtliche oder technische Einschränkungen genutzt werden kann.

Bildautor: Tawheed Manzoor
Bildautor: Tawheed Manzoor

Offene Formate, Dateiformate wie Container, sind eine Untermenge offener Standards. [1] Formatoffenheit hat als Ziel den ungehinderten Umgang mit Daten zu ermöglichen, ohne rechtlichen (z. B. Lizenzen) oder technischen (z. B. DRM) Einschränkungen oder Abhängigkeiten unterworfen zu sein.
Proprietäre Formate stehen im Gegensatz zu offenen Formaten, da sie meist durch Firmen definiert wurden. Von daher fließen häufig neben technischen auch kommerzielle Interessen in die Ausgestaltung proprietärer Formate ein.[2]

Warum offene Formate?

Grafik-, Medien- und Dokumentenformaten kommt eine besondere Bedeutung zu, um einen reibungslosen, sicheren und vor allem verlustfreien Austausch von Informationen zu gewährleisten.
Textdokumente werden üblicherweise mit klassischen Office-Programmen erzeugt. Diese nutzen zur Erzeugung der Dokumente zum Teil unterschiedliche Formate. Das kann beim Austausch Informationsverluste zur Folge haben, vor allem wenn zwei Kommunikationspartner verschiedene Office-Programme nutzen.
Die Gefahr bei der Nutzung von geschlossenen Formaten besteht darin, dass man an ein spezifisches Produkt eines Herstellers gebunden sein kann. Somit wird es schwieriger, Daten entweder informell oder formell weiterzugeben, da viele geschlossene Formate plattformspezifisch sind, z.B. als Betriebssystem Windows voraussetzen.

Außerdem geben geschlossene Formate per Definition nicht bekannt, welche Informationen sie in Bezug auf Änderungen an Dateien speichern, was problematisch sein kann, wenn man im Bereich der Kirchen etwa als Seelsorger mit sensiblen Daten arbeitet und nicht sicher sein kann, was bzw. was nicht in den Metadaten der Dateien aufgezeichnet wurde.
Sollte der Hersteller außerdem nicht mehr auf dem Markt sein oder sich dazu entscheiden, ein bestimmtes Datenformat nicht weiter zu unterstützen und zu pflegen, werden plötzlich Daten unzugänglich.[3]

Interoperabilität

Darum gilt: Geschlossene Formate haben das Risiko, innerhalb eines Jahrzehnts außer Gebrauch zu kommen und unzugänglich zu werden. Um Daten weitergeben zu können, müssen Software­-Programme darum miteinander kommunizieren können. Das bedeutet, dass keine Barriere den Austausch von Daten, das Lesen und Speichern behindern darf. Damit das funktioniert, müssen Software­-Programme „interoperabel“ sein.
Interoperabilität ist dann garantiert, wenn ihr offene Standards zugrunde liegen, also öffentlich einsehbare technische Spezifikationen, die von allen frei und ohne Einschränkungen verwendet werden dürfen und die vorher durch einen offenen Entscheidungsprozess so festgelegt wurden. Dateiformate, die auf solchen „offenen“ Standards basieren sind „Offene Formate“. Wenn ein Programmierer keinen Zugriff auf die wichtigsten Informationen für die Interoperabilität oder das Dateiformat hat, werden Dateiformate als „geschlossen“ bzw. proprietär bezeichnet. Mit ihnen ist eine offene Interoperabilität zwischen verschiedenen Software­Programmen nicht mehr möglich.
Offene Formate garantieren also Dank Ihrer Interoperabilität, dass es keinen Informationsverlust gibt.

Sicherheitsaspekte

Auch die IT- Sicherheit wird maßgeblich vom Austausch von elektronischen Daten beeinflusst. So werden viele Angriffe auf IT-Systeme dadurch gefahren, indem ein Computervirus in einem elektronischen Dokument versteckt wird.

Bildautor: Bryan Mills
Hier helfen offene Formate, Dank ihrer Einsehbarkeit und Transparenz Schadcode zu entdecken und Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

Leider weichen manche Hersteller offene Formate mit proprietären Erweiterungen auf, die sie nicht offenlegen – das PDF-Format ist ein gutes Beispiel dafür [4]: eigentlich ein offenes Format, aber z.B. mit Adobe Acrobat erstelle PDF-Formulare lassen sich mit einem freien PDF-Anzeige-Programm nicht am Bildschirm ausfüllen. Ironischerweise werden gerade Schwachstellen in derartigen proproetären Erweiterungen von Schadcode-Programmiern genutzt, um Viren und Trojaner im System zu platzieren.

Was tun?

Wer proprietäre Software nutzt, um Daten in geschlossenen Formaten zu erstellen, verhilft diesen Formaten zu mehr Wachstum, denn andere Benutzer werden so gezwungen, sich auch die proprietäre Software zu kaufen, um diese Daten lesen zu können. So erhalten gerade die Firmem nach und nach mehr Marktmacht, die anderen den Zugriff auf ihr Dateiformat verwehren.

Jeder Computernutzer sollte überprüfen, ob die Software, die sie oder er verwendet, auch in der Lage ist, Daten in diesen offenen Formaten zu speichern. Wenn nicht, sollte man über einen Wechsel der genutzten Programme nachdenken.

Dabei geht es nicht um sture Prinzipienreiterei, sondern die Entscheidung für offene Formate ist in jedem Fall eine Investition in die Sicherheit und Lesbarkeit des eigenen Datenbestandes – also schlicht eine Sache der Vernunft 🙂 !

LUKi-Flyer zum Thema „Offene Formate“:
Flyer Außenseite (PDF),
Flyer Innenseite (PDF)

Links zu empfehlenswerten, offenen Dateiformaten: http://de.wikibooks.org/wiki/Informationstechnische_Grundlagen_%28ITG%29/_Dateiformate#Empfehlenswerte_Dateiformate

2 Gedanken zu „Offene Formate

  1. Hallo Uta,
    Leider hat Microsoft seine Office-Formate nicht offen gelegt. Von daher sind Word- und Excel-Dateien geschlossene Formate, die Patenten unterliegen.

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