Ein ideales Paar

Grundsatz-Artikel

Ein ideales Paar – Linux und Kirche

Blauäugig wie der übrige Zug der Lemminge haben sich die Kirchen zu Microsoft-Produkten hinreissen lassen. Das war teuer. Also musste es gut sein. Schade eigentlich. Dabei könnten die Kirchen und Linux ein Dream-Team sein. Warum?

Im Verwaltungsbereich und sogar in der Seelsorge der Kirchen – Stichwort Internetseelsorge – sind Computer längst ein alter Hut. Alle deutschen Diözesen und  Landeskirchen ist mittlerweile selbstverständlich im Internet vertreten, darunter mit – wie ich finde – respektablen Angeboten.
Daneben tummeln sich Homepages von Pfarreien, kirchlichen Jugendgemeinschaften und religiösen Bildungsstätten.
Manche wittern schon, die Kirche passe sich mit derlei Schnickschnack zu sehr dem zeitgeist- und modebedingten Mainstream an.

Wie dem auch sei: in Sachen Software ist ein solcher Vorwurf bestimmt berechtigt. Da öffnet sich kein anderes Fenster als in der übrigen Gesellschaft: es kommt aus Redmond und heißt Windows. Genauso blauäugig wie der übrige Zug der Lemminge haben sich die Kirchen zu schätzungsweise über 97 Prozent ihrer Software-Installationen auf Intel-Rechnern zu Microsoft-Produkten hinreissen lassen.
Das war teuer.
Also mußte es gut sein.

Schade eigentlich.
Dabei könnten die Kirchen und Linux ein Dream-Team sein.
Warum?

Lässt man einmal die eh schon sattsam bekannten bekannten technischen Vorteile von Linux außen vor, so müßten eigentlich die mittlerweile leeren Kassen der Kirchen angesichts der geringen Kosten von Linux jubilieren und Linux als ernsthafte Alternative ins Auge fassen.

Theoretisch könnte man ja mit einer einzigen Linuxdistribution ganze Kirchenprovinzen mit moderner Software versorgen, die alles von Haus aus mitbringt, was ein moderner Arbeitsplatz heute so braucht. Mit Linux würde der grassierenden Featuritis und Fettsucht moderner Windows-Officepakete auch in Pfarrbüros nachhaltig Einhalt geboten und auch ältere Hardware könnte problemlos und effektiv weiter eingesetzt werden.

Hier liegt greifbar nah ein bedeutendes Sparpotential für die Kirchen brach, das andere, etwa staatliche Institutionen, längst schon entdeckt haben.

Und nebenbei bemerkt: das so eingesparte Geld könnte sicher sinnvoller in abstürzende Menschen als in abstürzende Fenster investiert werden 😉

Natürlich ist es ein wenig gemein, im Themenkreis Kirche-Computer als erstes mit dem Totschläger Geld zu argumentieren. Müßten nicht viel eher biblische Argumente ins Feld geführt werden?

Ein solches Argument könnte z.B. die urreligiöse Erfahrung des Exodus sein, des legendenbehafteten Auszugs aus dem frühgeschichtlichen Mainstream, der damals Ägypten hieß und alles umfasste, was vor 4000 Jahren hip und modern erschien.

Angesichts einer solchen Erfahrungs- und Glaubenstradition, die sich in der Geschichte der Kirche immer wieder auf verschiedene Weise wiederholt hat, verwundern die selbstgewählten (und selbst bezahlten) Fesseln der modernen Kirche in Form von kommerzieller Software doch ein wenig.
Ein bißchen mehr Zutrauen in die eigenen Erfahrungen und somit Gespür für den Wind der Freiheit wäre den Kirchen auch auf dem Gebiet Computer schon zuzutrauen. Zumal sich manche kirchliche Ethik-Kommission schon jetzt den Kopf darüber zerbrechen dürfte, wie man sensiblen Kirchensteuerzahlern erklären soll, dass in der kirchlichen Verwaltung hauptsächlich die Software eines Konzerns eingesetzt wird, der in den USA und in Europa wegen seiner Machenschaften bereits verurteilt wurde. Seltsam mutet es da an, dass kirchliche Einrichtungen so großen Wert darauf legen, „fair“ produzierten Kaffee oder Tee auszuschenken, aber in Sachen Software vor der Unfairness sanft die Augen verschließen.

Aber vielleicht reift der Mut zum Software-Exodus ja bereits im Stillen da und dort?! Schließlich weiß die Bibel: ist der Exodus mal geschafft, lockt irgendwann einmal das gelobte Land und wartet darauf in Besitz genommen zu werden.

Bleibt zu hoffen, daß es ein Land ist, in dem es neben Milch und Honig ganz viele Pinguine gibt.
(Ulrich Berens)

2 Gedanken zu „Ein ideales Paar

  1. Ich fände es schöner, wenn dieser Grundsatz-Artikel nüchterner wäre.
    „Blauäugig“, „Lemminge“, … – ich denke nicht, dass die Entscheidungsträger einfach nur zu blöd oder zu feige waren. Da geht es um Schulungsaufwand, Makro-Anpassungen bzw. Neuimplementierungen bis hin zur Verunsicherung der Mitarbeiter. Auch das „kostet“ im Endeffekt eine Menge Geld.
    Ich bin selbst ein Linux-Verfechter. Aber wenn das Gegenüber sich nicht ernst genommen fühlt, schadet es dem Anliegen.

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