Dem Vogel das X zeigen. Unser Abschied von Twitter

Das Foto zeigt zwei Pinguine die mit dem Hintern wackeln, dass das Wasser nur so spritzt!

Nutzer:innen alter Betriebssysteme mit einer graphischen Oberfläche mit Mausbedienung wissen: Mit dem “X” macht man das Fenster zu. Jetzt ist es höchste Zeit.

Als LUKi e.V. haben wir unsere Arbeit lange auf Twitter begleitet (ziemlich lange, genaueres später). Dabei waren wir durchaus auch immer kritische Begleiter:innen der zugrundeliegende Modelle des Plattform-Datenkapitalismus: Produkt statt Kunde, Algorithmus statt Kommunikation, Aufregung statt Qualität. Fanden wir nie gut, aber wir haben unsere Meinung und unsere Impulse dort vertreten.

Es war uns schon wichtig, dass wir immer auch Alternativen anbieten konnten: Anfangs Friendica, später Mattermost, seit 2019 Mastodon. Letzteres auf der Instanz kirche.social mit uns zu nutzen, dazu laden wir euch herzlich ein!

Aber mit Twitter reicht es jetzt. Wir zeigen dem Vogel das X, endgültig. Wobei man klar sagen muss: Der Vogel ist ein größenwahnsinniger Milliardär namens Elon Musk. Die Twitterübernahme an sich war schon ein komödiantisches Drama in acht Akten. Der Verkaufspreis mit 42 Mrd. Euro und damit so etwa dem 10-fachen Marktwert des Thyssenkrupp-Konzerns ist auch nichts, was noch mit gesundem Menschenverstand nachvollzogen werden sollte.

Im Folgenden wurde dann auch klar, was Elon Musk unter Redefreiheit verstand: Moderator:innen entlassen und der Alt-Right-Bewegung und damit Faschist:innen eine Plattform bieten. Auch technisch wurden die Schnittstellen zu Twitter geschlossen und damit nicht nur Interoperabilität, sondern auch die Einkommensquelle einiger klein- und mittelständischer Unternehmen und Softwareentwickler:innen von einem Tag auf den anderen beendet. Die Liste idiotischer Entscheidungen bei Twitter ließe sich eine Weile fortsetzen (“X”, haha!). Aber für viele ist diese Plattform jetzt am Ende. Tapbots (die Softwarefirma hinter der ehemaligen App Tweetbot) gedenkt dieser Tatsache mit einem virtuellen Grabstein.

Es trauert: Ein quicklebendiges Mammut. Nicht nur wir machen auf Mastodon weiter. Das ist anders, ja, und das soll so. Es ist gut und wird hoffentlich noch besser.

Für den blauen Vogel bleibt: Klick auf’s “X”. Elon wird unseren Pinguinhintern nur noch von hinten seh’n.

In den nächsten Tagen werden wir unser Tweet-Archiv herunterladen und unseren Account endgültig löschen. See you in the Fediverse!

Johannes Brakensiek

Lebt mit seiner Familie in Duisburg-Walsum, ist Pfarrer und Freund von Freiheit, Transparenz, Nachhaltigkeit und Allgemeinnützigkeit. Auch bei Software. Das hätte vermutlich schon der Apostel Paulus so gehalten: "Christus hat uns befreit, damit wir endgültig frei sind." Gal. 5,1

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3 Kommentare zu “Dem Vogel das X zeigen. Unser Abschied von Twitter

  1. Gut so x

    Für den großen Marktplatz, zu dem auch Facebook und Instagram gehören, haben wir Menschen, die für Institutionen unterwegs sind, noch keine Alternativen. Wo ist der (um mal den Begriff zu wechseln) Bazar, auf dem wir vertraute und fremde Gesichter treffen können? Dabei frage ich natürlich nach Orten im World Wide Web. Es hat Jahre (gefühlt eine Ewigkeit) gedauert, bis wir im pastoralen Bereich als Institution im Internet mitmischen durften. Zu fremd waren den Entscheidern die Wege und Funktionen. Mittlerweile gibt es Konten auf den großen Dingern, die nur zuungunsten der Datensicherheit und unter Hinnahme von Hatespeech geführt werden. Die Presseabteilungen der Bistümer leisten Großes. Sie lernen und bereichern den Marktplatz. Nur … 🤷🏽 … wie kann es mit mehr Freiheit, mehr Menschenfreundlichkeit, Menschenrechten, Gerechtigkeit, kurzum mit christlichen Werten gehen? Nachdem wir endlich bei Facebook, Twitter und Co (so der schmissige Titel mancher Veranstaltung im kirchlichen Kontext, mit der man für das Mitwirken im Internet warb) gelandet sind, könnten wir doch endlich, endlich im Fediversum landen? 🙏🏻

  2. Wir unterstützen schon seit vielen Jahren Matrix, und betreiben mit synod.im einen Homeserver für das kirchliche Umfeld

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