Buchtipp: Unterrichten mit Moodle 2

In den letzten zwei Jahrzehnten gab es schier unzählige Versuche, Computer und Unterricht zusammenzubringen. Wie sinnvoll diese Versuche in der Praxis waren, lässt sich kaum abschätzen, dennoch sind Schlagworte wie E-Learning oder E-Teaching hip. Allerdings sind die Sprachlaborversuche in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts mahnendes Beispiel, dass Euphorie für den Technikeinsatz im Unterricht allein vermutlich nicht viel nutzt.

Was ist Moodle?

Die Lernplattform Moodle ist ein modernes Kursmanagementsystem und Lernbetreuungssystem, das vielfältige Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativerUnterrichten mit Moodle 2 Lernmethoden bietet und an Schulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen im Unterricht oder für Bildungsprojekte eingesetzt werden kann. Moodle ist Freie Software, unter GPL-Lizenz veröffentlicht und kann somit an Lehreinrichtungen ohne Kosten benutzt und eingesetzt werden. Das Moodle-Projekt möchte Lehrenden Werkzeuge zur Unterstützung und Verwaltung von Lernen bereitstellen und kann sowohl auf sehr große Anwendungen mit hunderttausend Lernenden skaliert werden, aber gleichzeitig auch in kleinem Rahmen einer Grundschule oder bei Lernexperimenten eingesetzt werden. Institutionen verwenden Moodle als Plattform, um ihre Kurse ausschließlich online anzubieten, während andere damit einen einfachen Weg gefunden haben, ihre Präsenzkurse mit zusätzlichen Online-Materialien zu ergänzen (sog. „Blended Learning“). Andere Einrichtungen dagegen bevorzugen Moodle als Transportmittel, um Lernmaterialien auszuliefern (etwa in Form von SCORM-Paketen) und Lernfortschritte über Aufgaben und Test zu steuern.

Moodle erleichtert Lehrenden die didaktische Arbeit und bringt Abwechslung ins gemeinsame Lernen. Aber wie nutzt man die komplexe Software konkret? Welche Einsatzbereiche gibt es? Wie richte ich einen Kurs ein? Wie betreue ich meine Schüler, Studenten oder Kursteilnehmer? Wie vergebe ich Aufträge? Wie verteile ich Informationen? Wie erhalte und gebe ich Feedback?

Die Autoren wissen von was sie reden

Diese Fragen versucht das praxisnah geschriebene Buch „Unterrichten mit Moodle 2. Praktische Einführung in das E-Teaching“ aus dem Verlag Open Source Press zu klären, das 2011 bereits in 2. Auflage erschienen ist. Das Buch wendet sich gezielt an Lehrende. Die Autoren sind– selbst Gymnasiallehrer und Mitglieder mehrerer bildungsorientierter EU-Projekte zum computergestützten Lernen. Sie möchten Unterrichtenden nicht nur Antworten auf die oben genannten Fragen zu Moodle geben. Sie verstehen ihr Buch auch als Beitrag zur aktuellen bildungspolitischen Diskussion. Computergestützte Werkzeuge sollen selbstverständlicher und lebendiger Bestandteil im Unterrichtsalltag unserer Bildungseinrichtungen werden.

Die Frage ist: Gelingt den Autoren dies in dem vorliegenden Buch?

Sehr positiv ist festzuhalten, dass parallel zum Buch eine Webseite mit einer fertigen Moodle-Installation betrieben wird, in die sich der Leser des Buches einloggen und sofort alle Schritte online mitvollziehen kann. Das Buch ist gut gegliedert und reich mit Screenshots bebildert – jederzeit weiß der Moodle-Novize wo er sich befindet oder wie er schnell an eine gesuchte Information kommen kann. Sehr hilfreich erweist sich, dass die Autoren selbst aus der Lehrerpraxis kommen und gut nachvollziehbare Beispiele aus der Unterrichtspraxis bringen. Sie wissen einfach, wie Unterrichten „funktioniert“ und zeigen gekommt und leicht verständlich auf, wie Moodle den herkömmlichen Unterricht unterstützen und an vielen Stellen sogar „überholen“ kann.

Diesen großen Mehrwert eines Systems wie Moodle darzustellen ist den Autoren in ihrem Buch also sehr gut gelungen. Dennoch bleibt Moodle eine sehr komplexe Software, in die man sich nicht „schnell einmal“ so einarbeiten kann. Das Buch schlägt darum eine erste Schneise in den „Dschungel der Möglichkeiten“, die Moodle bietet und betont zu Recht, dass es nicht darauf ankommt, das System sofort komplett zu beherrschen, um es gewinnbringend einzusetzen, sondern dass auch kleine Erfolge und erste sinnvolle Schritte Lehrenden und Lernenden eine gute Hilfe sein können. Arbeit bleibt die Beschäftigung mit Moodle auch mit diesem guten Praxisbuch dennoch.

Foyer with Moodle sign
Bildquelle: Martin Dougiamas, flickr.com, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 2.0 Generic Lizenz.

Und wer die Verteilung der IT-Administration an Schulen auf eh bereits überlastete Lehrerschultern kennt, der mag sich fragen, ob das Buch allein ausreicht, in einen solchen Setting von meist ehrenamtlicher Systembetreuung E-Teaching mit Moodle in der Praxis zu realisieren. Die Antwort ist: ja, denn der lernwillige Leser wird Schritt für Schritt an die Hand genommen, kann die Möglichkeiten der Software anhand klug gewählter Beispiele Punkt für Punkt kennen lernen. Allerdings kostet die Beschäftigung mit dem Buch und den Möglichkeiten dieser mächtigen Lernsoftware Zeit – und Zeit ist das, was der Bildungsbetrieb mit seinen vielschichtigen Aufgaben oftmals leider zu wenig vorhält.

Eine gute Hilfe in Richtung moderner Unterrricht und E-Teaching ist das Buch auf jeden Fall. Und wer inhaltlich und methodisch mehr möchte, als mit einem Verband Schülern nur mal eine Stunde im Internet zu versurfen, wird bereit sein, sich die Zeit auch für die Einarbeitung ins Buch und in Moodle zu nehmen.

Infos zum Buch:

Kay Hoeksema, Markus Kuhn
Unterrichten mit Moodle 2
(2. Auflage)
Praktische Einführung in das E-Teaching

2. Auflage
Oktober 2011
ISBN 978-3-941841-02-4
dt., 264 S.
brosch.
Preis: EUR 29.90

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Ulrich Berens

Mein Name ist Ulrich Berens, ich bin einer der Gründer von LUKi. Nicht nur privat, sondern auch dienstlich benutze ich seit 1998 Linux und beweise damit, dass sich Linux in einem kirchlichen Büro problemlos einsetzen lässt. Auf Twitter bin ich privat als @infoleck unterwegs. Mein privater Blog findet sich unter: www.berens.net und mein Fotoblog unter: www.ulrich-berens.de. Berufliches findet sich unter familienseelsorge.de und neue-gespraeche.de.

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