Ja, ich habe einen Facebook-Account

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Facebook wird auf der LUKi-Mailingliste immer wieder kontrovers diskutiert, seit es den „Like“-Button beim Relauch auf der LUKi-Seite gab.

Der „Like“-Button ist entfernt. Wir sind uns einig darüber, dass bestimmte Machenschaften von Facebook aus unterschiedlichen Gründen sehr zweifelhaft sind. Dazu gehören Zensur und der Umgang mit Kritik und Mitbewerbern. Besonders schlimm: Der Umgang mit Benutzerdaten widerspricht den Regeln des Datenschutzes in Europa. Eine Liste der wichtigsten Kritikpunkte findet man im Facebook-Artikel der Wikipedia.

Es gibt die Funktion „Finde weitere Freunde“. Das Facebook-Mitglied wird aufgefordert sein E-Mail Adressbuch für Facebook zu öffnen. Facebook findet mit Hilfe der E-Mail Adressen weitere Freunde, die schon bei Facebook registriert sind. So weit ist alles in Ordnung. Aber Facebook speichert diese E-Mail Adressen, die Namen und das Beziehungsnetzwerk der Personen, die nicht bei Facebook angemeldet sind und den Nutzungsbedingungen daher nicht zugestimmt haben. Dieser Kritikpunkt ist die Hauptgrundlage einer Klage des Bundesverbands Verbraucherzentralen, über die heute in einer Pressemitteilung des vzbv berichtet wird.

Ein anderes Problem: Es fehlt an Offenheit. Viele von uns sind bei Facebook angemeldet, weil Menschen aus dem sozialen Umfeld auch dort sind.

screenshot facebookmobilDie Kontakte lassen sich über Facebook leicht erreichen. Wir diskutieren, ob dieses Argument eine Präsenz von LUKi bei Facebook rechtfertigt. Wohl eher nicht?

Alles, was Facebook-Mitglieder auf Facebook veröffentlichen, bleibt für den Rest des Internets unsichtbar. Facebook und Konkurrenten sind mittlerweile so mächtig, dass die Grundlage des Internets — eine einheitliche offene Plattform, an der alle teilheben können — gefährdet wird. Darüber schrieb einer der Begründer des Internets, Tim Berners Lee, im Scientific American. Der Artikel fand ein großes Echo im Internet: „Die Gefährder des World Wide Web“ in der TAZ oder „Web-Erfinder warnt vor Facebooks Datenmonopol“ auf Spiegel Online.

Wie gehe ich bei all dieser Kritik mit meinem Facebook-Account um?

  • Ich spreche meine Kritik an Facebook offen aus.
  • Ich vertraue Facebook keine persönlichen Daten von Dritten an, dazu gehören insbesondere Fotos und E-Mail-Adressen von Personen, die nicht bei Facebook aktiv sind bzw. deren Einverständnis ich nicht eingeholt habe.
  • Ich veröffentliche keine Informationen direkt über Facebook, sondern ich nutze dafür offene Netzwerke. Ein Beipiel dafür ist identi.ca. identi.ca ist als Freie Software implementiert und verfügt über offene Schnittstellen. Ich könnte es auf meinem eigenen Server betreiben, wenn ich wollte.
  • Ich denke über Alternativen nach. Sicher könnte Diaspora dazu werden. Ein Artikel über die Alpha-Version erscheint gerade in der TAZ.
  • Eigentlich gibt es die Alternativen schon, wenn die Inhalte kein Geheimnis sind: Weblogs mit „Ping“, „Trackback“ und Kommentarfunktion, Abonnements der Nachrichten von „Freunden“ über RSS, Microblogging mit identi.ca

Wie schaffen wir es, dass „Otto Normalverbraucher“ sein eigenes Internet-Tagebuch schreibt und die Tagebücher seiner Freunde und Bekannten liest?

3 Kommentare zu “Ja, ich habe einen Facebook-Account

  1. Hallo Peter,
    vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel. Ich selbst bin hartnäckiger Facebook, WKW und Twitter-Verweigerer. Ich habe einen XING-Account, aber mit restriktiven Einstellungen für die Freigaben.

    Ich finde es manchmal lustig aber meistens eher Irrsinn, dass wir früher gegen den Volkszählungsbogen Sturm gelaufen sind und demonstriert haben, dass das höchste deutsche Gericht das „Recht auf informationelle Selbstsbestimmung“ postuliert hat und dass teilweise die gleichen Leute, die mit mir damals dabei waren heute in aller Öffentlichkeit persönliche Dinge durch das große weite Netz posaunen… Das hat was Skuriles.

    Meine Töchter (14+16) haben einen Facebook-Account bekommen, nachdem Sie mir erklären konnten, wie man die Privatsphäre möglichst schützt und keine eigenen EMail-Adressbestände weitergibt. Trotzdem bin ich nicht glücklich mit dieser Entwicklung.

    Ich denke für mich weder über eine Nutzung NOCH über Alternativen nach. Ich stelle mir immer die Frage: wozu sollte ich die brauchen? Um Freunde zu treffen? Das mache ich lieber mit realem Rotwein oder einem guten Essen. Abgesehen davon, dass der Begriff „Freund“ bei mir maximal 5-10 Personen umfasst. Um meine Meinung kund zu tun? Das kann ich auch in diesem Blog oder in Leserbriefen in der Zeitung oder …
    Twitter? Nein Danke. Wozu muss ich George Clooney „followen“ um zu wissen, wo er gerade wieder seine Unterhose liegen liess oder was er über das China Restaurant in xyz denkt? Da manipuliere ich mich lieber selbst.

    XING macht für mich einen Unterschied, weil ich es als Geschäftsplattform immer noch nutze, obwohl ich glaube dass es wirkungsvoller war, als es noch openBC hieß.

    Kurz: ich halte hier Aufklärung direkt in der Schule für extrem wichtig. Leider kommt das viel zu kurz, genau wie die normale Kommunikation zwischen Menschen und nicht per ICQ, Facebook und Co….

    viele Grüße
    Georg

  2. Hallo Peter,
    hey Georg,

    auch wenn ich dieses Thema wieder angestossen habe, weil ich es durchaus kritisch betrachte, muss ich mir durchaus vor Augen halten, dass die Kommunikation in Zukunft anders verläuft, als mir lieb wäre. Dies liegt bestimmt auch daran, dass ich nicht damit aufgewachsen bin. (Ich musste tatsächlich noch mit den Eltern meiner Freunde und Freundinnen reden um mich verabreden zu können. 8>) Ich sehe allerdings auch die Möglichkeiten die ein soziales Netzwerk bietet, aber nach wie vor stehen meine nicht vorhandenen Haare senkrecht in die Höhe, bei den Dingen die FB so anleiert. Darum finde ich es gut dass Peter diese Seite aufgemacht hat. Ganz neben bei ist dies jetzt ein schönes Ziel um andere auf die Schnelle über FB aufzuklären.

    Im übrigen muss ich Georg zustimmen was die Volkszählung betrifft, denn die Aktuelle übertrifft nun auch alles was sich Orwell hat ausdenken können.

    Gruße

    Rainer

  3. Hallo Peter, danke für diesen Artikel, auf den man hinweisen kann, wenn man sich auf die Schnelle mal zur Problematik schlau machen möchte.

    Wie mächtig Facebook und Co sind, zeigt folgende Meldung: http://www.laut.de/Welt-Aids-Tag/Stars-boykottieren-Facebook/29-11-2010

    „Lady Gaga, Justin Timberlake, Alicia Keys und viele mehr stoppen anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1.12. ihre Twitter- und Facebook-Aktivitäten.“ Sie wollen erst wieder zurückkehren, wenn 1 Million Dollar für den Kampf gegen AIDS gespendet wurden.

    Das heißt: ich kann inzwischen damit DROHEN, meinen Facebook-Account zu schließen.

    Uli

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