Privatsphäre ist tot – wenn wir dies zulassen

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Privatsphäre: gibt es sie online überhaupt noch und ist sie für uns noch ein schützenswertes Gut?

Facebooks jüngst belegte umfassende Nutzerverfolgung und neueste Entwicklungen wie „frictionless sharing“ (dt. etwa „reibungsloser Austausch“) lassen den Umgang des Konzerns mit der Privatsphäre seiner Nutzer mehr denn je in einem düsteren Licht erscheinen. Sogar im sonst in Sachen Datenschutz eher sorglosen Amerika gibt es inzwischen Nutzer, die bekennen, regelrecht Angst vor der Organisation zu haben. Das ist neu.

Die Debatte darüber, wie Dienste wie Facebook oder Google welche Daten ungefragt nutzen und wo und wie massiv Privatsphäre verletzen ist sicher wichtig, lenkt aber auch ein wenig vom eigentlich größten Problem ab: dass wir nämlich uns um unsere Privatsphäre-Kultur gar nicht mehr kümmern, ja vielmehr gerade dabei sind, sie überhaupt zu verlieren.

Um es in einem Bild auszudrücken:
In unix-verwandten Systemen wie Linux gibt es einen guten, alten Grundsatz, nämlich das „Prinzip der geringsten Rechte“. Das besagt, einem Programm oder Prozess werden genau die Rechte im System erlaubt, die gebraucht werden, um die zugewiesene Aufgabe zu erfüllen. Dieses Prinzip besagt weiterhin, dass alle Rechte, die für diese Aufgabe nicht notwendig sind, potenziell gefährlich sind. Und es gibt nicht wenige Linux-Nutzer, die ein Lied davon singen können, dass zu großzügig gesetzte Berechtigungen früher oder später kompromittierend ausgenutzt werden.

Der momentan vorherrschende Umgang mit unserer Privatsphäre und unseren Daten ist konzeptionell genau umgekehrt zum Unix-/Linux-Modell: „Was kann daran so schlimm sein, wenn ich x, y oder z mit anderen teile?“ sagen wir leichthin, anstelle von „Ist das Teilen von x, y oder z wirklich das für mich potenzielle Missbrauchs-Risiko wert?“

Die Diskussion über die (technischen) Möglichkeiten Googles, Facebooks und Co., ihre Nutzer über ganze Sitzungen im Internet hinweg zu „tracken“ (auszuspähen) ist sicher in Ordnung und muss geführt werden.
Aber die eigentliche Diskussion sollten wir darüber führen, welche Informationen wir täglich preisgeben, und somit eigentlich aufgeben.

Und: warum wir dies überhaupt tun.

Ulrich Berens

Mein Name ist Ulrich Berens, ich bin einer der Gründer von LUKi. Nicht nur privat, sondern auch dienstlich benutze ich seit 1998 Linux und beweise damit, dass sich Linux in einem kirchlichen Büro problemlos einsetzen lässt. Auf Twitter bin ich privat als @infoleck unterwegs, auf Mastodon ebenfalls (@mastodon.social). Mein privater Blog findet sich unter: www.berens.net und mein Fotoblog unter: www.ulrich-berens.de. Berufliches findet sich unter familienseelsorge.de und neue-gespraeche.de.

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3 Kommentare zu “Privatsphäre ist tot – wenn wir dies zulassen

  1. Hallo Uli,

    schöner Artikel und Anlass mal tiefer über sein eigenes Verhalten im Alltag nachzudenken. Allerdings:

    Mein Ghostery-Plugin findet auf LUKI.org einen Tracker. Der Dienst heißt Piwik, ist Opensource und wird wohl über das Banner der Offenen Bibel gespeist.

    Hmm. Privatsphäre? Muss ich jetzt Angst vor LUKI.org haben? 😉

    Gruß,
    Andreas

  2. Lieber Andreas,

    Danke für Deine Rückmeldung.

    Nein, vor LUKi musst Du keine Angst haben. Piwik ist tatsächlich ein Service der OfBi, den wir momentan mitnutzen, um – anonymisiert – Aufschluss darüber zu erhalten, wie unsere Seite, die jetzt in dieser Form seit einem Jahr online ist, genutzt wird.
    Auf der Seite „Datenschutz“ (via Impressum) klären wir nicht nur darüber auf, sondern bieten auch an, per Mausklick das Tracking abzustellen, was ich vorbildlich finde.
    Piwik als Software liegt, wie Du ja schreibst, offen, d.h. Auch von daher gibt’s kein Hintertürchen. Es wird sicher auch nicht ewig laufen, sondern nur so lange bis klar ist, wo unsere Seite noch optimiert werden sollte.

    Jedenfalls danke ich Dir mal für die gute Gelegenheit, darüber zu schreiben 😉

    Gruß
    Uli

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