Wo geht es hier nach Weihnachten? (was mit Geschenken und Orientierung)

drei Pinguine im Gras; bearbeitet

Man hat mir einen Kalender Der Andere Advent geschenkt, worin letzte Tage ein Gedicht stand, dass man vorwärts und rückwärts lesen kann. Vorwärts las es sich als Lamento Weihnachtsstress. Rückwärts las es sich als Gotteslob, Vorfreude auf Weihnachten und Zuversicht. Umkehr. Das war es doch, was Johannes der Täufer predigte. Wie wäre es, wenn wir so schenkten?

Das kaputte Smartphone

Kramen Sie die alten Dinge aus der Schublade und gucken Sie, was sich damit anfangen lässt. Wenn Sie mehr wissen als andere, verschenken Sie Gutscheine. Mir können Sie einen Gutschein schenken, mit ich mein altes Smartphone mit freier Software bespielen kann. Besser noch: jemand macht das für mich. Auf der Suche nach alten Smartphones fand ich ein Ding mit Firefox OS drauf. Es funktioniert. Na sowas. Jetzt brauche ich einen Gutschein, mit dem ich das Ding checken lassen kann (Ist es sicher? Hat es Tücken, die ich als Endnutzerin nicht sehe?). Außerdem fand ich eine alte Zigarrenkiste von Opa, voll Plunder, mit einer funktionierenden Batterie und einer Lichterkette, Buntpapier, eine verklebte Klebertube, Wasserfarben, uralte Aufkleber von Firmen, die es gar nicht mehr gibt, ein paar Schrauben und noch so Gedöns. Jetzt brauche ich nur noch …

Zeit

Mein Kopfkino springt an und ich sehe Dinge, die ich basteln könnte. Aber Zeit habe ich nicht. Außer, ich verzichte auf die vorgesehene Einkaufstour und bastel was. Aber dazu gehört Mut. Da darf ich mich nicht unter Druck setzen lassen. Ich mache aus den Dingen, die auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet sind eine Schatzkiste, die leuchtet. Das ist schon mal ein Anfang. Dann bestellte ich Spendenurkunden, um später Namen einzutragen. Was soll ich Zeug kaufen, dass dann doch rumsteht. Jetzt habe ich wirklich Zeit. Das Dumme: Jetzt habe ich die Zeit, die ich vorher nicht hatte, weswegen ich einige stille Aufträge ablehnen musste. Stille Aufträge, dass sind die Nachrichten von Kranken und Belasteten, die man bekommt. Ein Bekannter ist in sein neues Haus gezogen mit Kind und Kegel und nun wächst ihnen die Renovierung über den Kopp. Ob ich ihm meine Hilfe anbiete?

Bist du es? Oder müssen wir auf einen anderen warten?

Im 11. Kapitel des Mattäusevangeliums wird erzählt, Johannes habe, selber Gefangener, von Jesus erfahren (der ja sein Cousin ist). Er schickt seine Jünger zu Jesus. Sie sollen ihn fragen:

Bist du, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?

Jesus antwortet auf die ihm eigene Weise. Er verweigert sich einem reinen Lexikon-Wissen. Er will aktivieren. Er traut den Menschen was zu und er mutet ihnen was zu. Leicht ist es nicht mit ihm. Aber wenn er der Messias ist, dann ist es doch in Ordnung. Der gewiefte Leser weiß längst, dass der Messias nicht alles gut macht. Er macht schon alles gut, aber es entbindet mich nicht von Pflichten. Ich kann nicht mit dem Finger auf die Verantwortlichen zeigen, weil Jesus mir zumutet, selber verantwortlich zu sein. Das endet im Fiasko. Möchten Sie am Kreuz enden? Wenn ich diese Frage stelle, ernte ich Unverständnis. Wir leben schließlich in einem gemütlichen Christentum. Uns fehlt es an nichts. Jetzt, im Jahr 2018, kurz vor Weihnachten, seufze ich erleichtert auf, wenn ich an die Kirchenkrise denke. Ich bin sehr dankbar, dass die Gemütlichkeit eines selbstzufriedenen Christentums sich in eine Krise manövriert hat. Jetzt nur nicht in die offensichtlichen Fallen tappen (Die Schuldigen suchen, bestrafen und weitermachen).

Die Mittel, mit denen wir unser Christsein leben und verkünden, müssen mit Jesus kompatibel sein. Oft genug sind sie nicht mit einer eingeübten Lebensweise vereinbar. Sicherheit, Familie, Beruf, Gesundheit, Wohlstand. Nichts von all dem ist schlecht, aber es ist auch nichts von all dem wirklich wichtig. In der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest nehme ich mir die Antwort auf die Frage des Johannes vor. Das ganze 11. Kapitel des Matthäusevangeliums nehme ich mir vor. Besonders gut gefällt mir „Wir haben euch die Flöte gespielt, aber ihr tanzt nicht. Wir haben ein Trauerlied angestimmt, aber ihr habt nicht getrauert.“. Mit dem Satz habe ich lange überhaupt nichts anfangen können. Heute denke ich, dass wir hauptberuflichen Christen nicht so viele Angebote machen sollten, sondern einfach mit dem Ohr bei Jesus und mitten im Getümmel sind.

Und wie geht es jetzt weiter?

Aus dem Bibeltext lese ich etwas über Kommunikation. Die Information gelangt zu Johannes und Johannes findet Wege, Jesus eine Nachricht zukommen zu lassen. Jesus ist ein Kommunikator. Seine Antwort richtet sich nicht allein an Johannes.

Ich lese etwas über Vernetzung. Man sendet und empfängt, man lässt sich als Bote in den Dienst nehmen.

Was auch immer Sie lesen:

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest.

Kommen Sie gut ins neue Jahr. Und bleiben Sie uns gewogen.

Dorothee Janssen
Vorsitzende des LUKi e.V.


Linkliste

Der Andere Advent https://www.anderezeiten.de/aktionen/initiativen-zum-kirchenjahr/advent/der-andere-advent/

Sinnvoll schenken mit Spenden-Urkunden. Ich nutzte das: https://www.plan.de/spenden/sinnvoll-schenken.html

Wenn Sie was reparieren wollen von den Dingen, die Sie im Keller finden, suchen Sie doch ein Repair-Cafe https://repaircafe.org/de/

Predigt zu Matthäus 11 https://predigten.evangelisch.de/predigt/bist-du-es-der-da-kommen-soll-predigt-zu-matthaeus-112-6-von-martin-weeber

Dorothee Janssen

Dorothee Janssen, Gemeindereferentin im Bistum Essen. Mit folgenden Themen lass ich mich ködern: Finnland, Garten, Jazz, Museum, Musik, Science Fiction. Beruflich im Büro für Inklusion & Teilhabe. Privat zu lesen auf 793 km Rhein

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Ein Kommentar zu “Wo geht es hier nach Weihnachten? (was mit Geschenken und Orientierung)

  1. Liebe Dorothee,
    Deine Geschichte geht unter die Haut!
    Wohl dem, der es schafft kleine Schritte zu gehen…
    Einen Versuch ist es immer wert.

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