100 Tage Vorsitzende und 1 Datenklau

Alte Dame liest in ihrem Smartphone

Ein laut WDR gelangweilter 20igjähriger Schüler, der noch bei seinen Eltern wohnt, hat die Daten von Politikern reihenweise und rücksichtslos veröffentlicht. Er sei ein Einzeltäter, heißt es. Es sei eigentlich nicht schlecht, heißt es woanders, dass er auf diese Lücke aufmerksam gemacht habe. Und woanders heißt es dann, in den Sozialen Medien werde nun mal gelogen und man könne sich ja Abstinenz verpassen.

Ich könnte verzweifeln.

Denn Otto Normalverbraucher ist mal wieder hingerissen zwischen den Versprechungen der Industrie und den Warnungen der Datensichernden so wie den Aufrufen der Freunde freier Software. Anna Normalverbraucherin bin auch ich. Mir leuchtet ein, was gefordert wird. Mir ist aber nicht klar, wie ich da Entscheidungen treffen soll. Es ist ja wie beim Autokauf: Man verlässt sich auf die Informationen, die man bekommt, und muss sich dann eines Besseren belehren lassen (Dieselskandal). Was tun?

Ich kann mich ja vernetzen. Es ist eine Art Alternativgesellschaft. Es funktioniert ein bisschen anders. Es funktioniert so, dass jemand wie ich einem Verein vorstehen kann, der sich um freie Software dreht, die ich selber nicht programmieren kann. Aber ich kann schreiben und mit Menschen sprechen. Außerdem kann ich freie Software nutzen. Das ist gar nicht schwer. Während ich jetzt also seit 100 Tagen mit Vorstandsarbeit beschäftigt bin, sehe ich andere organisieren und programmieren und layouten und vernetzen und planen (nun gut, planen tu ich auch) und das alles in gutem Einverständnis und nicht zeitgleich. Wir chatten. Wir bilden Meinung. Wir informieren und kommunizieren. Mehr dazu lesen Sie demnächst im Geschäftsbericht 2019.

Dies ist nur eine verkleinerte Abbildung der Hackermail, die behauptet, den Mailaccount gehackt zu haben.

Den Vorstand erreichte die Nachricht, der Account sei gehackt. Erfahrungsgemäß führt das bei denen zu Panik, die nicht wissen, was passiert. Ich weiß es nicht besser, ich bin nur gut vernetzt. Wer sich die Zähne putzt und auch sonst auf seine Gesundheit achtet, schafft es auch, freie Software zu nutzen.

Das Problem sitzt vor dem Computer

Das Problem sitzt vor dem Rechner. Das Problem ist immer der Mensch. Alles andere lässt sich leicht ändern. Und das Schöne an dieser sich wunderbar ändernden Welt ist, dass es auch in der Arbeitswelt neue Wege gibt. Sie nennen sich New Work oder Work out Loud. Sie setzen auf flache Hierarchien und Kommunikation. In diesen Arbeitswelten ist Scheitern kein Weltuntergang und Fragen kein Zeichen von Minderwertigkeit. Wer nicht fragt, bleibt dumm.
Bei uns ist es so: Wer fragt, ist auf einmal im Vorstand. Denn wer fragt, hat Interesse und lernt. Wissen alleine nützt gar nichts, wenn man es nicht anwendet. Und Wissen ist wie Lernen ein Prozess.

  • https://netzpolitik.org/2019/doxing-doxing-der-kampf-um-datensicherheit-wird-auf-unseren-computern-entschieden/

Wir sehen uns auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund oder im Unperfekthaus. Ich würde mich freuen 🙂

Dorothee Janssen

Dorothee Janssen, Gemeindereferentin im Bistum Essen. Mit folgenden Themen lass ich mich ködern: Finnland, Garten, Jazz, Museum, Musik, Science Fiction. Beruflich im Büro für Inklusion & Teilhabe. Privat zu lesen auf 793 km Rhein

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