„Wem kann ich vertrauen?“

Ein Mann auf einem Berg vor einer Nebelwand

Mit dem LibreChurch Projekt haben LUKis gezeigt, dass quelloffene Software im kirchlichen Bereich funktionieren kann. Aber gilt das auch für alle und warum wird es nicht umgesetzt?

„Was soll das sein?“

Wir hängen im kirchlichen Bereich an WhatsApp, Facebook und Instagram. Was anderes kommt uns nicht auf den Tisch. Wenn überhaupt die digitale Welt im Blick ist. Seit der Corona-Pandemie setzen Gemeinden auf Live-Streams, ohne darauf vorbereitet zu sein. Was alle nutzen, kann nicht falsch sein. Und was in den Kommunikationsabteilungen der Landeskirchen und Bistümer genutzt wird, kann ebenfalls nicht falsch sein. Dementsprechend ist zu vermuten, dass da, wo intensive Aufklärung über die Möglichkeiten und Gefahren der digitalen Welt betrieben werden, auch Gemeinden transparente und menschenfreundliche Wege gehen. Alle anderen empfinden den Datenschutz als Hemmschuh.

„Muss ich das jetzt auch noch lernen?“

Die Routinen sind kaputt. Wir können in der Corona-Pandemie nicht Gottesdienste feiern wie gewohnt. Sogar beim Singen müssen wir aufpassen. In Gemeinden ist man froh, wenn man Menschen überhaupt noch erreicht. Da fehlt das Verständnis für föderatives und vernetztes Arbeiten. Dabei sind wir evangeliumsmäßig getrimmt auf Flexibilität und Achtsamkeit.

Was ich euch sage in der Dunkelheit (im dunklen, geheimen) {daß} sagt im Licht (am hellen Tag, in der Öffentlichkeit), und was ihr ins Ohr geflüstert bekommt, verkündet auf den Dächern.

Matthäus 10,27 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ https://offene-bibel.de

Nicht ich muss das lernen, sondern wir.

Kein Mensch kann alles, aber es gibt Dinge, mit denen wir uns beschäftigen müssen, ob wir wollen oder nicht.

Das Drama

Welches Gerät, welche Software?

Der Mensch googelt oder geht in den großen Laden, in dem es immer Sonderangebote gibt. Selbst wenn ihm klar ist, dass er damit unmenschliche Arbeitsbedingungen fördert und den Konsum unterstützt, bleibt ihm (scheinbar) nichts anderes übrig. Er hat einfach nicht die Zeit, das Internet nach Foren zu durchsuchen, die ihm Antworten geben könnten. „Und außerdem: Ist Fairphone wirklich besser?“ Man weiß es nicht.

Ein einzelner Mensch kann nicht alles wissen. Aber in einer Gemeinschaft, einer Allmende, einem Verein, einer Gemeinde, … können wir Antworten finden, die unseren Horizont übersteigen. Wir suchen gemeinsam oder finden schnell einen Menschen, der schon genug weiß, um eine gute Lösung zu finden.

Neue Wege

RepairCafés und eine Riesenmenge an Gruppierungen, die sich für Technik und Nachhaltigkeit interessieren sind auch für Menschen interessant, die sich für technisch unbegabt halten. Es sind die neuen Wege. Das passt gut in unseren christlichen Bereich. Wir irrten in allen Jahrhunderten immer wieder und immer wieder konnten Menschen ihre Kräfte für neue Wege einsetzen. Mit Gottes Hilfe.

In den wenigen Monaten von LibreChurch ist der Hauptteil der Kommunikation in unserem Verein von der Mailingliste in die Räume unserer Matrixinstanz Synod.im gewandert, weil wir uns in nach Themen geordneten Räumen austauschen können. Einen Marktplatz gibt es auch.

Herzlich willkommen, allen Interessierten!

„Das kostet Geld.“

Ja, das kostet Geld. Das ist klar. Es gibt nichts umsonst. Auch die bekannten Netzwerke kosten Geld. Selbst wenn die Kundschaft kein Geld dafür ausgibt, zahlt sie doch mit ihren Daten. Die großen Netzwerke sind dankbar dafür. Dahinter stehen wirtschaftliche Interessen. Diese Zusammenhänge sind bereits zur Genüge analysiert und öffentlich gemacht worden.

Wir lösen das Problem durch Mitgliedschaften und Spenden. Wir generieren kein Kapital, sondern Bildung. Manche von uns haben Geld, andere haben keins. Jeder Mensch ist wertvoll. Das wird erst in Netzwerken wieder deutlich. Wenn nur die mitspielen dürfen, die Geld haben, kommt sowas wie unser Bildungssystem in Deutschland dabei raus, in dem die einen im Lockdown ihre Mittel nutzen und die anderen in Existenznöte geraten.

Neue Wege

Freie Zeit schafft Freiräume, wenn alles gut läuft. Wir haben in der Corona-Pandemie in unseren Gemeinden Vieles zugelassen, was vorher niemals gegangen wäre. Beispielsweise Erstkommunion im kleinen Kreis statt als unpersönliches Event. Oder Live-Streams, in denen wir lernen konnten, wie wir welche Technik benutzen, wen wir erreichen und wen nicht.

Wir hatten freie Zeit, aber auch viel Stress, weil wir nicht über die routinierten Wege unsere Ziele erreichen konnten. Es ploppten neue Fragen auf und wir mussten uns eingestehen, dass wir keine Antworten haben. Wir schöpfen nicht aus dem Vollen. Manche von uns wurden arbeitslos. Manche von uns wurden krank. Manche von uns probierten Neues aus. Wir sind noch lange nicht am Ziel. Wir wollen niemanden verlieren. Die Arbeitslosen und die Kranken – die sollen nicht hinten rüberfallen. Wir sind nicht auf Erfolg getrimmt. Unsere Idee von Kirche und Gemeinde bedeutet grade, dass alle dazu gehören.

Wir sind ratlos und wir sind zuversichtlich.

Wir kennen mehr Antworten, als wir ahnen,
und manches müssen wir lernen, immer wieder lernen.

Wir sind noch nicht am Ziel
und wir sind sehr dankbar für alles, was wir bis jetzt erreicht haben.

Wir hören nicht auf,
nach den richtigen Wegen zu suchen,
die für alle Menschen gut sind,
nicht nur für die, denen das Wasser nicht bis zum Hals steht.

Wir sind nicht allein.

Dorothee Janssen

Dorothee Janssen, Gemeindereferentin im Bistum Essen. Mit folgenden Themen lass ich mich ködern: Finnland, Garten, Jazz, Museum, Musik, Science Fiction. Beruflich im Büro für Inklusion & Teilhabe. Privat zu lesen auf 793 km Rhein

More Posts - Website

Follow Me:
TwitterMastodon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.