Die Bibel lässt sich auch mit freier Software studieren. In einer vorherigen Beitragsserie hatten wir The Sword Project, dass von der CrossWire Bibel-Gesellschaft getragen wird, vorgestellt. Eigentlich handelt es sich weder um ein Format noch um ein eigenes Bibelprogramm, es wird eine API zur Verfügung gestellt, die von anderen Programmen genutzt werden. Inhalte wie Bibeln oder Kommentare werden dabei als Plugins realisier. Bekannte Programme, die auf diese Bibliothek bauen, sind neben AndBible, Xiphos und Bibletime auch Tyndale STEP. In den offiziellen Repositories sind verschiedene Ressourcen in vielen verschiedenen Sprachen verfügbar. Tatsächlich gibt es allerdings nur wenige deutschsprachige Ressourcen, so dass wir hier die Notwendigkeit sehen weitere Werke zu digitalisieren bzw. schon digitalisierte in die entsprechenden Formate zu konvertieren. LUKi stellt dafür die entsprechenden Ressourcen bereit, um diese online bereitzustellen. In diesem Beitrag wollen wir einen kurzen Überblick über die bisherigen Module geben, aber auch über Teile der notwendigen Arbeiten und einen Ausblick wagen.

Der MacDonald Kommentar synchronisiert mit dem Bibeltext der Lutherbibel 1912.

Ein Bibelatlas mit vergrößertem Kartenausschnitt.
Was ist neu?
Das Projekt wird derzeit noch auf Github gehosten. Neben einer breiten Sammlung von Konvertiertools, beispielsweise für Onlinebibeln, ist auch ein eigener Editor für OSIS-XML entstanden. Das Kernstück ist allerdings ein Repository, das alle neuen Module als Quelle enthält. Da es sich um freie, größtenteils sogar um PD Quellen handelt, sind einige Module nicht gerade aktuell, so etwa zwei Bibelatlanten aus den Jahren 1868 und 1926. Bei den Kommentaren sind neben Werken von Calvin allerdings durchaus aktuelle Werke unter CC BY-NC-ND Lizenz zu finden, etwa Kommentare von William MacDonald oder John F. MacArthur. Da die meisten Bibeltexte einer restriktiven Lizenz unterliegen, gibt es hier lediglich die deutsche Volkxbibel und eine NT-Übersetzung von Streitenberger.
Wichtige Bestandteile sind allerdings die Lexika/Wörterbücher-Ressourcen. Es wird eine überarbeitete Version des Calwer Bibellexikons von 1912 bereitgestellt, ebenso neue Griechisch- und Hebräischwörterbücher. Ein detailliertes Hebräischwörterbuch basierend auf eine gemeinfreie Ausgabe des Gesenius ist derzeit in Arbeit.
Dazu kommt eine reichhaltige Auswahl von historischen und gegenwartsnahen Büchern: Neben Werken von Luther und Schlatter sind hier Kommentare, Texte der Patristik (mit griechischer Wortannotation) sowie Texte aus Talmud und Midrash (mit hebräischen Wortannotationen) und verschiedene weitere theologische Werke zu nennen.
Welche Schritte sind zu gehen?
Ausgangspunkt für neue Module ist meist ein Rohtext: ein PDF, eine Webseite oder eine bereits digitalisierte Datei (z. B. epubs oder Textdokumente). Oft muss Text per OCR digitalisiert werden und Bilder, z. B. aus Karten nachbearbeitet werden. Python-Skripte übernehmen ggf. weitere Vorarbeit, aber das Ergebnis ist jeweils eine XML-Datei im OSIS-Format (Open Scripture Information Standard), dem offenen Standard-Austauschformat für Bibelsoftware. Fußnoten, Querverweise und Überschriften werden dabei als strukturierte OSIS-Elemente kodiert, was korrektes Vers-Pointing in der späteren Anzeige sicherstellt. Aus der OSIS-Datei erzeugt das Kommandozeilenwerkzeug osis2mod zusammen mit einer Konfigurationsdatei das fertige SWORD-Modul, das sich in jede kompatible Bibelsoftware einbinden lässt. Altgriechische Texte erhalten außerdem automatisch morphologische Tags und Strong-Nummern durch die Bibliothek spaCy. Fertige Module werden durch einen Build-Skript gebaut und über den SWORD-Repository-Server unter sword.luki.org verteilt. Das Projekt lebt von freiwilligen Beiträgen: Wer Fehler findet, Texte korrekturliest oder neue Quellen erschließt, ist herzlich willkommen.
Das Repository in hinzufügen
Unter AndBible (Bibel+): Module herunterladen -> Benutzerdefinierte Quellen -> https://sword.luki.org/alpha/manifest.json
Jede andere Sword-Bibelsoftware kann ebenfalls mit dem Link https://sword.luki.org/alpha arbeiten.
Ausblick
Es ist klar, dass die meisten dieser Werke bestenfalls für die Berufspraxis oder interessierte Laien nützlich sind. Trotzdem bietet das Repository einen Fundus an Modulen, die manch einem Nutzer vielleicht den Weg zu FOSS-Produkten leichter macht. Mir persönlich erscheint es wichtig, hier auch eine stärkere ökumenische Komponente mit abzubilden. Wer hat Lust, sich hierbei mit einzubringen? Aktuelle Bibeln wären ebenfalls prima – neben NA28 gibt es auch die Hoffnung für Alle zu kaufen. Wer hätte Kontakt zu Verlagen und könnte helfen?
Als letzten Punkt fehlt mir als Theologe auch ein entsprechend umfangreiches Softwareprodukt, dass mit Sword-Modulen arbeitet. Derzeit in Entwicklung ist Phos 0.1.1, das neben der Darstellung und Arbeit mit Modulen auch weiterführende Features wie Wortstudien, Lesepläne und Tagesandachten, eine interlineare Ansicht, eine Studienbibelansicht, Evangelien-Synopsen, Exegese-Assistenten auch verschiedene lokale Such- und Faktenfeatures beinhaltet. Wer möchte, kann diese durch ein lokales RAG-System ergänzen – dabei werden im Gegensatz zur kommerziellen Konkurrenz nur die lokalen Daten indiziert und man kann mithilfe von KI weiter mit diesen Arbeiten – und sich die Quellen dediziert anzeigen lassen. Auch war mir wichtig, dass neben Sword-Modulen PDFs und epub-Dateien ergänzt werden können. Wer hat Lust zu testen oder weitere Wünsche für die Anwendung zu beschreiben?
