Multi-Sync – Von einem Kalender auf alle Geräte

Der Kalender aus Papier war gestern. Die Herausforderung des modernen Termin-Management besteht dementsprechend nicht mehr darin, seine Taschen nach dem versteckfindigem Stück Papier zu durchwühlen. Seine Daten aber in aktueller Form auf den verschiedenen Endgeräten möglichst unkompliziert und wartungsarm zu hinterlegen, ist mehr denn je ein Thema.

Der Autor besitzt beispielsweise zu Hause und auf der Arbeit einen Laptop mit Debian. Unterwegs benutzt er ein Nokia N900 Smartphone mit Maemo-Betriebssystem. Außerdem sind Termine stets mit seiner Frau abzugleichen, die wiederum ein HTC Wildfire mit Android 2.2 ihr eigen nennt. Auf allen diesen unterschiedlichen Geräten und Plattformen untereinander Termine synchron zu halten, ist der Anspruch. Wenn es jedoch nur darum ginge, könnte man getrost auf Dienste wie Memotoo zurückgreifen. Für nur 12€ im Jahr darf man hier seinen Kalender, Adressbuch und etliches mehr gut dokumentiert synchronisieren. Will man aber seine sensiblen Daten nicht aus der Hand geben, so geht die Suche hier erst richtig los.

Voraussetzung dafür, dass „privat“ auch privat bleibt, ist eine LAMP-Installation (Linux, Apache, Mysql, PHP) mit entsprechenden Konfigurationsrechten. Nun gilt es eine Auswahl unter den freien Groupware-Lösungen zu treffen. Meine Wahl fiel auf eGroupware.

Klar und übersichtlich - so präsentiert sich eGroupware.

Diese unter der GPL stehende Abspaltung des Urgesteins „phpGroupWare“, stellt neben den Standard-Lösungen für Kalender und Adressbuch zahlreiche zusätzliche Module für weitergehende Funktionalität zur Verfügung und kann über syncML und webDAV Daten austauschen. Das Eine (syncML) ist wichtig, um einen Kalender insgesamt abzugleichen und dann offline weiterarbeiten zu können. Das ist vor allem bei mobilen Geräten von Vorteil. Das Andere (webDAV) gewährleistet einen permanenten Datenabgleich in Echtzeit, wie ihn Programme, wie Evolution, Kontact und Sunbird benötigen.

Mein virtueller Server hat als Basis Debian Lenny. Hier gehört eGroupware zum Repertoire des Standard-Repositorys. Allerdings in der sehr veralteten Version 1.4. Wer auf seinem Server das aktuelle Debian Squeeze zum Einsatz bringt oder eine stets aktuelle Version von eGroupware haben möchte, bindet einfach in der Datei /etc/apt/sources.list das entsprechende Repository mit folgender Zeile ein:

deb http://download.opensuse.org/repositories/server:/eGroupWare/Debian_6.0/ ./

Der Befehl „wget -O – http://download.opensuse.org/repositories/server:/eGroupWare/Debian_6.0/Release.key | apt-key add -“ installiert den Schlüssel dafür. Nach einem „apt-get update“ kann nun bequem auf die aktuellen Pakete von eGroupware zugegriffen werden.

Nach der Auswahl und Installation der gewünschten Module gilt es noch einige Nacharbeit an der Konfiguration des Apache-Servers vorzunehmen. So muss die Installation unter /usr/share/egroupware mittels „VirtualHost“ eingebunden werden. Die mitgelieferte Konfiguration in /etc/egroupware sollte so übernommen werden, da hier entscheidende Parameter für PHP gesetzt werden. Wichtig: Endet der relative Pfad, unter der die Installation zu erreichen ist, nicht auf „egroupware“, muss die Datei /var/lib/egroupware/header.inc.php angepasst werden. Zu guter Letzt müssen in /var/lib/egroupware noch die Verzeichnisse default/files und default/backup angelegt und per „chown -R www-data:www-data *“ dem Standard-Nutzer zugewiesen werden.

Nun darf frohen Mutes auf die Adresse „http://meineEgroupwareAdresse/“ zugegriffen werden. Hier stößt man auf das nicht ganz schlüssige Konzept, zwischen den Administratoren der Header-Einstellungen, der Grundkonfiguration und eines „User Nr. 1“ zu unterscheiden. Drei Accounts müssen angelegt werden, was dem Drupal-verwöhnten Autor nicht ganz einleuchtet. In der Praxis werden vermutlich oft sowieso für alle drei die gleichen Namen und Passwörter verwendet.

Viele Accounts verderben das Passwort-Gedächtnis.

Nach der folgenden Grundkonfiguration in vier Schritten (Prüfung bzw. Behebung von Fehlern, Header-Konfiguration und Grundeinstellungen, Erstellen des allmächtigen „User 1“), kann dann das erste Mal im System eingecheckt werden. Voila!

Angemerkt sei noch, dass die beschriebene Installation sich auf die modulare Variante von PHP (mod-php) bezieht. Wer die threadsichere FastCGI-Variante auf seinem Server laufen hat, bekommt nicht nur Probleme bei den Abhängigkeiten der Groupware-Pakete, sondern vor allem bei den PHP-Parametern und der Authentifikation unter webDAV. Eine threadsichere Version der Installationspakete wäre für die Zukunft sehr wünschenswert.

Die Synchronisation mit meinem Nokia N900 ist denkbar einfach. Das Programm „Syncevolution“ ist für Maemo nebst grafischem Frontend im Extras-Repository zu finden. Nachdem ein neuer Service im Programm angelegt wurde und als Voreinstellung „Mobical“ gewählt wurde, müssen die Adresse der Groupware-Installation mit der Endung „/rpc.php“ eingegeben werden.

Für die erste Synchronisation empfiehlt sich die Einstellung „SlowSync“. Danach kann auf „NormalSync“ umgestellt werden. Synchronisiert werden Adressbuch (contacs), Kalender (calendar) und Aufgaben (tasks).

Das Programm ermöglicht das Wählen verschiedener Kalender als Quelle.

Für die Android-Plattform habe ich die besten Erfahrungen mit dem App „Funambol“ gemacht. Dieses ist kostenlos, hat aber den Nachteil, dass nur ein Kalender synchronisiert werden kann. Unter „Einstellungen | Erweitert“ müssen die korrekten Namen (contacts, calendar, tasks) nachgetragen werden.

Auf meinem Laptop nutze ich Iceowle (Sunbird) als Kalender-Frontent. Leider gibt es seit geraumer Zeit keine deutsche Übersetzung mehr für dieses Programm. Als Adresse der Groupware-Installation muss „http://adressederGroupware/groupdav.php/calendar/“ eingetragen werden. Für die Aufgaben gilt es einen zusätzlichen Kalender mit der Adresse „http://adressederGroupware/groupdav.php/infolog/“ anzulegen.

Meine Kontakte verwalte ich mit Thunderbird. Hier muss ein zusätzliches Plugin eingepflegt werden, um Thunderbird webDAV beizubringen. Es nennt sich „Sogo“ und ist unter http://www.sogo.nu/english/downloads/frontends.html kostenlos herunterzuladen. Nach der Installation kann man in der Anwendung „Adressbuch“ ein neues „Remote-Adressbuch“ anlegen. Die einzutragende Adresse lautet „http:adresseGroupware/groupdav.php/addressbook/“.

Andreas Bergmann

Jahrgang 1972, seit 2001 mit Linux angebändelt, nach 5 Jahren dann Microsoft-frei und aktiv für Freie Software, Beruf: Ev. Diakon. Zur Zeit viel mit meinem Nokia N900 unterwegs, das ich vor allem als Sync-Kalender und Geocaching-Werkzeug aber auch zum Warten meines beruflichen Servers nutze. Seit Oktober 2012 habe ich das LPI Level 1 Zertifikat.

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2 Gedanken zu „Multi-Sync – Von einem Kalender auf alle Geräte

  1. Klar, kannst mir schreiben. Danke für den Tipp mit „eSync“. Da ich selbst kein Android-Gerät besitze, kenne ich mich damit auch nicht so gut aus.

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